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Der Stieglitz
(Carduelis carduelis)

oder ein Distelfink der »Stieglitt« singt.

Allgemeines

Systematik

Kennzeichen
und Verbreitung
der_Unterarten

Geschlechts-bestimmung

Lebensraum

Verhalten_-_Stimme_

Haltung_und_
Unterbringung

Fortpflanzung
Balz, Paarung
Nest
Ei, Gelege
Schlupf, Aufzucht

Mauser

Ernährung

Ausklang

Literatur

Stieglitz Foto: Leo Schürmann  http://www.digitale-momente.ch
Stieglitz Der Stieglitz ist an seiner roten Gesichtsmaske und an seinen schwarz-gelben Flügeln leicht zu erkennen. Foto: © Leo Schürmann  http://www.digitale-momente.ch

Allgemeines

Nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch bei unseren europäischen Nachbarn , gehört der Stieglitz zu den beliebtesten Vögeln überhaupt. Teilweise nimmt er sogar den ersten Platz ein.
Seine gebräuchlichsten Namen sind Stieglitz und Distelfink. Es gibt viele Andeutungen zur Entstehung seines Namens. Dabei bedarf es keiner Erklärung für den Namen »Stieglitz«, da er die lautmalerische Nachahmung seines häufigen Lockrufes »Stiglitt« ist.
Distelfink bezieht sich auf die Samen von Disteln,  welche so als Nahrung von ihm geschätzt werden. Selbst der wissenschaftliche Name »
Carduelis«  leitet sich von »carduus«, die Distel, ab.
Die „ Altväter der Vogelliebhaberei“ unterschieden vom Stieglitz nachstehende Formen:

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den kleinen und weniger gut singenden Gartenstieglitz,  also die Nominatform (Carduelis carduelis  carduelis)

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den schönen, prächtigen und im Gesang ebenfalls schönsten Alpenstieglitz (Carduelis  carduelis balcanica) und letztendlich den

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Waldstieglitz (Carduelis carduelis major) so groß wie balcanica  aber nicht so prächtig wie dieser.

Zusätzlich wurde noch unterschieden zwischen Vier-, Sechs- und Achtspieglern, wobei die Letzteren am seltensten waren, aber im Gefieder die Schönsten und natürlich, wie könnte es anders sein, die am Teuersten. Als Spiegel bezeichnete man die großen Spiegelflecken auf den  inneren Fahnen der äußeren Steuerfedern.

Von GESSNER (1554) wurden Stieglitze in seinem Vogelbuch erwähnt  und bei Erkrankungen eingesetzt. Gegen Bauchgrimmen und Darmgicht sollten gebratene Stieglitze gut sein. Wie der „Chrüzschnabl“ (Kreuzschnabel, so soll auch der Stieglitz die Fähigkeit haben, Krankheiten anzuziehen. So hängte man einen solchen Vogel in das Zimmer eines Schwindsüchtigen, damit er die Krankheit auf sich ziehe.

Systematik

Der Stieglitz wurde nach WOLTERS wie nachstehend eingeordnet:

FAMILIE

CARDUELIDAE

GIMPEL, HÄNFLINGE

GATTUNG

CARDUELIS  Briss., 1760

STIEGLITZE

ART

Carduelis carduelis (Briss., 1758)

STIEGLITZ ODER
DISTELFINK

RASSENGRUPPE
UNTERARTEN: 9

 

1. carduelis  (L., 1758) STIEGLITZ
parva, tschusii, britannica, carduelis, balcanica, major, niediecki, brevirostris, loudoni

RASSENGRUPPE
UNTERARTEN: 3

2. caniceps Vig., 1831
GRAUKOPFSTIEGLITZ

paropaniceps,
caniceps, subulata

VARIANTE Albigularis wurde von WOLTERS  und auch bei HARTERT erwähnt.  Eine Anfrage bei verschiedenen Spezialisten erbrachte keinen Erfolg. Nur Frau Dr. v. d. ELZEN, Museen König stellte fest: „Ein Ungar namens J. von MADARASZ ( 1858 - 1931) hat die Form Carduelis caniceps albigularis beschrieben. Leider habe ich mehr nicht herausgefunden. Wir haben KEINE Sonderdrucke darüber.“

Andere Systematiker unterscheiden nicht wie WOLTERS 12 Unterarten, sondern gehen insgesamt von 16 Unterarten aus: Es handelt sich um die Unterarten C. c. ultima, C. c. colchicus, C. c. volgensis und C. c. frigoris.

Kennzeichen und Verbreitung der Unterarten

Der Stieglitz ist in beiden Rassengruppen klar zu erkennen, da es sonst keine Art mit solch ähnlichen Zeichnungen existiert. Die Unterarten sind nicht nur an den Farbabweichungen, sondern auch durch die Größe und Herkunft zu unterscheiden. Die UA (Unterart) parva  gehört zu den kleinsten und major zu den größten Stieglitzen.
Es soll aber hier nur ein kurzer Überblick aufgestellt werden. Wer bei der Bestimmung nicht weiterkommt, sollte sich anhand der Literatur oder an den Bälgen in den Museen König in Bonn oder aber im Senckenberg in Frankfurt informieren, da hier umfangreiche Balgsammlungen vorhanden sind. 

1.     Die Vögel der Rassengruppe Carduelis-Stieglitz = Stieglitz:
Sie sind durch den schwarzen Nacken und den braunen Rücken unverkennbar. Fast alle Populationen von Europa ostwärts bis Westsibirien werden von ihr erfasst. Nach Osten verläuft ein Trend der zunehmenden Größe und der abnehmenden Farbe.

a.     Carduelis c. carduelis, die Nominatform, bewohnt Nord-, Mittel- und Osteuropa. Sie hat eine unverwechselbare kräftig rote Gesichtsmaske am schwarzweißen Kopf und eine breite, leuchtend gelbe Binde im schwarzen Flügel. Rücken, Brust und Flanken sind hellbraun, der Bauch rahmfarben und der Bürzel weiß. Schwanz- und Schwungfedern sind mit weißen Spitzen versehen. Das Weibchen ähnelt dem Männchen. Der Jungvogel ist bis auf die schwarzgelben Flügel und den schwarzen Schwanz graubraun und unterseits gestrichelt. Der Nestling ist mit langen dunkelgrauen Dunen versehen. Der Rachen ist karminrot, während der Gaumen purpurn ist, sind die Randwülste weiß. 14 Zentimeter.

b.     Carduelis c. parva  ist in Südwesteuropa und Nordwestafrika anzutreffen. Sie ist dunkler als carduelis gefärbt und somit die südlichste und kleinste Unterart. 12,5 Zentimeter.

c.      Carduelis c. tschusii  bewohnt Korsika, Sardinien und Sizilien. Oberseits ist sie stärker graubraun und unterseits bräunlicher getönt als die Nominatform und kleiner.

d.     Carduelis c. britannica  bewohnt wie der Name es schon sagt die Britischen Inseln. Ihr Mantel  ist dunkler und weniger rotbraun. Brust und Flanken sind brauner, die weißen und roten Kopffarben sind weniger reinweiß und weniger kräftig gefärbt.

e.     Carduelis c.  balcanica  ist auf der Balkanhalbinsel und Kreta ansässig. Sie ist blasser, oberseits grauer als tschusii, aber ähnlich und nicht so dunkel als die blasse niediecki.

f.       Carduelis c.  major  ist die nördlichste (Sibirien), aber auch mit 15 Zentimeter die größte Form,  entsprechend auch den längsten Schnabel. Der weiße Bürzel ist weit ausgedehnt.

g.     Carduelis c.  niediecki  bewohnt die Ägäischen Inseln, Zypern, West- und Zentralanatolien und wahrscheinlich auch den Nordwestiran und südwärts das Gebiet bis Israel. Niediecki  ist ähnlich aber blasser als tschusii.

h.     Carduelis c.  brevirostris  bewohnt die Krim und den Kaukasus. Der Mantel ist bräunlicher und weniger grau und trägt einen weißen Nackenfleck.

i.       Carduelis c.  loudoni  ist oberseits und an den Brustseiten dunkel erdbraun. Sie ist im Nordiran und Transkaukasien ansässig.

2.     Die Vögel der Rassengruppe Caniceps –Stieglitz = Graukopfstieglitz:
Bei dieser Gruppe fehlt das Schwarz am Hinterkopf und Rücken. Es wird durch ein Graubraun ersetzt. Auch die Flanken und die Brust sind ebenfalls graubraun. Der Schnabel ist länger und schlanker und die  rote Maske ist kleiner und reicht nicht so weit bis zur Stirn. Kehle, Bauchmitte und Bürzel sind weiß. Die Enden der Handschwingen sind dunkel, also nicht grau oder weiß wie beim Schwarzkopfstieglitz. Beim Jungvogel fehlt die rote Gesichtsmaske. Das Gefieder ist einheitlich graubraun mit dunklen Stricheln. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in Mittelasien. Ihre Unterarten unterscheiden sich hauptsächlich durch die Größe.

a.     Carduelis c. caniceps,  die Nominatform, lebt im Norden von Pakistan bis Nepal. Mit 14 Zentimeter die kleinste Unterart. Das Gefieder ist ober- und unterseits deutlich dunkler und hat weniger Weiß an den Kopfseiten und unterseits.

b.     Carduelis c. subulata  ist mit 15 Zentimeter  Länge die größte und die hellste  Unterart des Graukopfstieglitzes. Als Brutvogel trifft man ihn in Sibirien vom Yenisei-Fluß bis zum Altai-Gebirge.

c.      Carduelis c. paropanisi  ist mit seinen 14,5 Zentimeter Länge etwas kleiner als subulata  und dunkler gefärbt. Bewohnt den Iran und Afghanistan.

Vermischung der Rassengruppen
Die Rassengruppen carduelis  und  caniceps  stehen in drei Regionen in Kontakt miteinander und zwar im Süden Westsibiriens, im Nordostiran und im Südwestiran. Hier deutet lokal die Gefiederfärbung eine totale Vermischung beider Rassengruppen an.

Geschlechtsbestimmung

Der Geschlechtsdimorphismus ist beim Stieglitz sehr schwach ausgebildet, deshalb sind die Geschlechter feldornithologisch nicht zu unterscheiden, da sie fast gleich aussehen. Weibchen sind zierlicher als die Männchen. Der Gesang, der bei den meisten Singvogelarten nur von den Männchen zu hören ist, kann beim Stieglitz nicht herangezogen werden, da auch das Weibchen singt.
Unterscheidungsmerkmale können sein:

1.      Die rote Maske geht beim Männchen bis hinter das Auge. Beim Weibchen geht das Rot nicht so weit. Ebenso ist das Rot an der Kehle geringer.

2.      Beim Männchen ist das untere Bauchgefieder gelblich, beim Weibchen dagegen grünlichgelb.

3.      Beim Männchen ist der Schnabel länger und spitzer als beim Weibchen. Zudem ist die     
Schnabelspitze des Männchens gebogen, beim Weibchen gerade. Ausnahmsweise kann sie aber dem des Männchens gleichen.

4.      Beim Männchen ist der gelbe Flügelspiegel intensiver und ausgeprägter.

5.      Beim Männchen sind die Kleinen Deckfedern schwarz, beim Weibchen braun bis  
graubraun.

Wie die Praxis gezeigt hat, reicht nicht nur ein einziges Merkmal Hinweise auf das Geschlecht zugeben, es müssen immer mehrere zutreffen.

Lebensraum

Der Lebensraum des Stieglitzes sind Feldgehölze, Waldränder, Obstgärten oder sonstige offene Baum- und Buschbestände. Da sie vielfach in der Ebene nicht das passende Gebiet für ihre Brut finden, müssen sie die in großen Höhen, die auf Gebirgen oder oberhalb der Baumgrenzen befindlichen lockeren Birken- wie auch Pinienhaine aufsuchen. Nach der Brut ziehen die meisten Stieglitze in kleinen Trupps wieder in die Ebenen um in Obstgärten, lockeren Nadel- und Auwäldern ihre Nahrung zusuchen.

Verhalten - Stimme

Sein Gesang zählt meines Erachtens mit zu den besten der heimischen Körnerfresser. Meistens von hoher Warte lässt er sein hastig vorgetragenes Lied hören. Selten versucht er es  im wenig ausgeprägtem Singflug zu bringen. Der Gesang beginnt mit einer schnellen zwitschernden Folge seiner »Stieglitz«-Rufe, welchen mehrere Triller folgen und zum Schluss kommt ein Knätschteil welcher durchaus vom Erlenzeisig sein könnte. Er trägt unter pendelnden Bewegungen seinen Gesang vor.  Während der Brutzeit singt er allein in Nestnähe und danach in trauter Runde mit  mehreren Männchen. Seine Rufe sind auch während des Fluges zu hören. Er lässt den Gesang außer in der Mauserzeit, das ganze Jahr über hören. Wegen seines guten Gesanges, wurden Verpaarungen mit Kanarien und anderen Cardueliden vorgenommen. Eine Kreuzung mit dem Hänfling, so erzählten es die alten Vogelliebhaber, sollten besonders gute Sänger ergeben. Die Weibchen singen auch, aber nicht so laut und anhaltend.
Beide Rassengruppen stimmen zum größten Teil im Verhalten überein, nur ist der Graukopfstieglitz nicht ganz so lebhaft. Nur der unmittelbare Nestbereich wird verteidigt und freigehalten. So kommen Auseinandersetzungen nur bei der Überschreitung der Individualdistanz vor, wobei aber meist das Drohen mit offenem Schnabel und gesträubtem Kopfgefieder ausreicht. Streitigkeiten werden unter »Kerr«-Rufen mit Schnabelhieben und Fußtritten ausgetragen.

Haltung und Unterbringung

Bei der Zucht sollten schon die einzelnen Unterarten rein gezüchtet werden. Inzwischen befinden sich ja genug nachgezogene Stieglitze in Züchterhand, sodass nicht wie noch vor ein paar Jahrzehnten verschiedentlich einfach Stieglitz X Stieglitz verpaart wurde und man gar nicht genau wusste was in den Mischlingen für eine Unterart  vertreten war.
Die Unterbringung des Stieglitzes ist bereits in Käfigen von mindestens 1 Meter Länge möglich. Am zweckmäßigsten ist aber die Haltung in Volieren, gleich ob innen oder außen. Sind dann noch Fichten und Tanne darin, so stellen nicht nur die Stieglitze, sondern auch die Graukopfstieglitze mehr dar, weil ihre Farben vor dem dunklen Hintergrund viel kräftiger wirken. Natürlich sind die Pflanzen vom Verbiss bedroht, aber im Frühling sind sie leicht und schnell durch Neue auszuwechseln. Durch die regelmäßige Gabe von Sträußen mit halbreifen und reifen Wildkräutern können die Stammpflanzen halbwegs verschont bleiben. Teilweise verhindern kann man den Verbiss mit Holundersträuchern, weil sie bitter schmecken oder durch hartlaubige Pflanzen wie Ilex und Mahoni. Es hängt auch mit der Zahl der Besatzung zusammen, je mehr Bewohner in einer Voliere je größer der Verbiss. Bei mir kommt jeweils nur ein Paar zur Zucht in eine Voliere, weil das meines Erachtens am effektivsten scheint. Sie werden auch nicht mit Kanarien oder anderen Finkenvögel vergesellschaftet, da anschließend der Nachwuchs nur aus Mischlingen besteht. In Freiheit ist ja der Stieglitz lockerer Gruppenbrüter, sind aber mehrere Paare in einer Voliere, so gibt es den ganzen Tag nur Streit. Der Stieglitz ist ein Kulturfolger geworden, weil er die Nähe des Menschen suchte. Er ist also sehr anpassungsfähig und auch ein ruhiger und nicht ängstlicher Pflegling. Für ihn ist die Ausstattung der Voliere nicht so ausschlaggebend, sondern die richtige Fütterung.
Meine Zuchtvolieren haben eine Grundfläche von 2 x 1 Meter und eine Höhe von 2 Metern. Sie sind überdacht und die Seiten werden im Frühjahr mit Kiefernästen ausgeschmückt. In ihnen werden die »Sabelschen Nistklötze« in verschiedener Höhe befestigt. An die Voliere angegliedert ist ein Schutzraum, damit im Winter der schlimmste Wind mit seiner Kälte abgehalten wird und die Stieglitze Wasser und Futter frostfrei aufnehmen können. Der Volierenboden wird im Frühjahr und nach der Brutzeit dick mit Fichtennadeln bestreut, während im Schutzraum Sand den Boden bedeckt. Die Stieglitze haben in der Voliere ihre tägliche Badegelegenheit. Die Fichtennadeln saugen das Spritzwasser auf damit keine Suhle entsteht.

Fortpflanzung

Geschlechtsreif sind die Stieglitze zum Ausgang des 1. Lebensjahres. Sie führen eine monogame Saisonehe. „Außereheliche Kopulationen“, wie sie durch ihn in einer Gesellschaftsvoliere sehr oft vorkommen, fallen ja nicht an, da jeweils 1 Paar allein ist. In der Voliere sind bis 3 Jahresbruten möglich, man sollte aber nach Möglichkeit nicht über 2 Bruten zulassen, da die Vögel dann sehr geschwächt werden.

Balz, Paarung

Das Männchen beginnt bei gutem Wetter im Februar/März mit seinem Gesang an zu üben, und steigert sich immer mehr. Nach mehreren Wochen hat es sich eingesungen und die Balz fängt an. Meistens geht der Beginn vom Weibchen aus. Mit Körperpendeln und Schnabelsenken nähert es sich dem Männchen. Zudem versucht es noch die gelben Flügelbinden durch Sträuben und Aufplustern zu verdecken. Beim Männchen ist das anders, es kommt darauf an die leicht gelüfteten Flügel durch angelegtes Gefieder so zu präsentieren, dass die gelben Flügelbinden gerade auffallen. Diese können noch durch leichtes Spreizen der Flügel vergrößert werden. Mit gestelzten Beinen steht das Männchen, ruckt mit hängenden Flügeln sowie gespreiztem Schwanz, pendelt mit dem Körper von einer Seite zur anderen und lässt seinen Gesang hören. Meistens kann das Weibchen nicht widerstehen, hinzu kommt auch noch die Fütterung durch das Männchen. Das Weibchen zeigt seine Bereitschaft durch leichtes Ducken in den Fersengelenken, durch Vibrieren mit den Flügeln und durch das Hochklappen des Schwanzes an. Was folgt ist die Kopulation, welche mehrmals am Tage bis zum fertigem Gelege stattfindet. Während der Balz geht die Dominanz vom Männchen auf das Weibchen über.

Nest

Das Männchen beginnt bei gutem Wetter im Februar/März mit seinem Gesang an zu üben, und steigert sich immer mehr. Nach mehreren Wochen hat es sich eingesungen und die Balz fängt an. Meistens geht der Beginn vom Weibchen aus. Mit Körperpendeln und Schnabelsenken nähert es sich dem Männchen. Zudem versucht es noch die gelben Flügelbinden durch Sträuben und Aufplustern zu verdecken. Beim Männchen ist das anders, es kommt darauf an die leicht gelüfteten Flügel durch angelegtes Gefieder so zu präsentieren, dass die gelben Flügelbinden gerade auffallen. Diese können noch durch leichtes Spreizen der Flügel vergrößert werden. Mit gestelzten Beinen steht das Männchen, ruckt mit hängenden Flügeln sowie gespreiztem Schwanz, pendelt mit dem Körper von einer Seite zur anderen und lässt seinen Gesang hören. Meistens kann das Weibchen nicht widerstehen, hinzu kommt auch noch die Fütterung durch das Männchen. Das Weibchen zeigt seine Bereitschaft durch leichtes Ducken in den Fersengelenken, durch Vibrieren mit den Flügeln und durch das Hochklappen des Schwanzes an. Was folgt ist die Kopulation, welche mehrmals am Tage bis zum fertigem Gelege stattfindet. Während der Balz geht die Dominanz vom Männchen auf das Weibchen über.

Ei, Gelege

Stieglitz-Gelege Foto: Archiv der VNW
Stieglitz-Gelege
Foto: © Archiv der VNW

Die weißen Eier sind mit feinen rostbraunen Schnörkeln und Flecken zum stumpfen Pol hin versehen. Gelegentlich sind auch ganz weiße Eier dabei. Täglich in den frühen Morgenstunden wird gelegt. Beim Legen des 1. Eies ist meistens das Nest noch nicht ganz fertig. Ein Stieglitzgelege besteht in der Regel aus 5 Eiern, seltener aus 4 oder 6. Ab dem 3. Ei beginnt das Weibchen allein mit der Brut. Die Brutzeit beträgt 12 Tage. Während der Brutzeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Es verlässt das Nest dann nur noch für die eigene Körperhygiene.

Schlupf, Aufzucht

Stieglitz-Jungvögel Foto: Archiv der VNW
Stieglitz-Jungvögel
Foto: © Archiv der VNW

Meistens schlüpfen zuerst 3 Junge, während die restlichen 2 Jungen am nächsten Tag das Ei verlassen. Dieses ist eine Anpassung an die Ernährungsbedingungen in der freien Natur. Ist die Nahrungssituation schlecht, so werden nur die zuerst geschlüpften gefüttert und die zuletzt heraus gekommenen gehen ein. Da in der Voliere ja genügend Aufzuchtsnahrung vorhanden ist, dürfte kein Junges eingehen und nach ein paar Tagen sind alle auf dem gleichen Entwicklungsstand. In den ersten Tagen bilden die Jungen eine Wärmepyramide, sie liegen dann mit den Köpfen aneinander. Die Eischalen werden zum Teil von den Altvögeln gefressen und aus dem Nest entfernt um auf dem Futtertisch abgelegt zu werden. Das Männchen ist in den ersten 6 Tagen, während das Weibchen allein hudert, für die Nahrung zuständig. Das Futter übergibt es an sein Weibchen und dieses verfüttert es an die Jungen. Am 1. Tag geben die Jungen keinen Kot ab, aber ab dem 2. bis zum 6. Tag wird der Kot vom Weibchen verschluckt, vom 7. bis 12. Tag wird er bis auf einzelne Häufchen weggetragen und danach von den Jungen auf den Nestrand abgelegt. Die Jungen öffnen die Augen vom 5. bis zum 7. Tag und betteln dann gezielt die Eltern um Futter an. Jetzt sind auch die Bettellaute deutlich zu hören und der Zeitpunkt für die Beringung ist da. Ab dem 8. Tag ist das Nest zu meiden, denn sonst verlassen die Jungen fluchtartig nach allen Richtungen das Nest. Meistens verlassen die Jungen das Nest am 12. bis 14. Tag. Sie

Stieglitz-Jungvogel Foto: Archiv der VNW
Stieglitz-Jungvogel
Foto: © Archiv der VNW

geben dann mit ihren Lauten an wo sie sind, damit das Männchen sie füttert. Das Weibchen baut inzwischen ein neues Nest, da ja das Alte mit dem Kotrand unbrauchbar geworden ist. Die Jungen sind mit 28 bis 30 Tagen selbständig. Sie sollten nun aus der Zuchtvoliere entfernt werden damit sie die Folgebrut nicht stören. Sie sind mit Farbringen zu markieren bevor sie dann in eine Flugvoliere kommen. Sieht man im Frühjahr am Füttern wo sich Paare gebildet haben, so können diese extra gesetzt werden. Übrigens lasse ich gute Zuchtpaare beieinander und trenne sie nicht.

Mauser

Die in der Tabelle aufgeführten Wildkräuter, gleich ob halbreif oder reif, sorgen für eine Mauser ohne Schwierigkeiten. Jung- und Altvögel mausern in den Zeitraum von Juli bis August.

Ernährung

Es ist nachgewiesen worden, dass die Graukopfstieglitze dieselben Nahrungspflanzen, wie auch unsere heimischen Stieglitze aufnehmen. Wir versorgen ihn also, wie in freier Natur, mit halbreifen und reifen Sämereien. Diese Wildkräuter lt. folgender Liste, sind die Voraussetzung für zuchtreife und gesunde Vögel. Durch die unterschiedliche Reifezeit kommt zwangsläufig Abwechslung in den Speiseplan. Man sollte nach Möglichkeit immer mehrere Arten reichen und nie abrupt wechseln, da sonst Verdauungsbeschwerden auftreten können. Bei dieser Fütterung entfällt auch das Keimfutter, welches nur bei Schlechtwetterperioden gereicht wird. Zusätzlich keimt ja in der Voliere überall und in jeder Ecke irgendein Samen.
Man hat festgestellt, dass der Stieglitz Samen und Teile von 152 Wildkräutern zu sich nimmt. In der nachfolgenden Liste sind ein paar davon genannt.

NAHRUNGSPFLANZEN für den STIEGLITZ

Futterpflanze

Wann

Was

Ackerdistel, spec.

06-09

Samen

Ampfer, spec.

05-03

Samen

Beifuss

09-05

Samen

Birke

07-03

Samen + Knospen

Brenn-Nessel, spec.

04-01

Samen

Erle

03-07

Samen + Knospen

Ferkelkraut

06-09

Samen

Flockenblume

Herbst + Winter

Samen

Gänsedistel, spec.

06-09

Samen

Hirtentäschel

06-10

Samen

Huflattich

April bis Mai

Samen

Hungerblümchen

April bis Mai

Samen

Karde

10-03

Samen

Kiefer

Herbst – Frühjahr

Samen + Knospen

Klette

08-01

Samen

Knöterich, spec.

05-10

Samen

Kornblume

07-09

Samen

Kratzdistel, spec.

06-09

Samen

Kreuzkraut, spec.

08-10

Samen

Lärche

Herbst - Frühjahr

Samen + Knospen

Löwenzahn, spec.

04-07

Samen + Blüten

Mädesüß

Herbst

Samen

Miere, Vogel

Ganzes Jahr

Samen + Triebe

Mohn

08-09

Samen

Nachtkerze

Herbst + Winter

Samen

Negersaat

11-04

Samen

Obstzweige

Frühjahr

Knospen + Blüten

Pappel

Herbst

Samen

Salat, spec.

01-12

Samen + Blätter

Senf

Sommer

Samen

Sonnenblume

01-12

Samen

Tagetes

Sommer – Herbst

Samen + Blüte

Wegerich

Sommer – Herbst

Samen

Wegewarte

08-11

Samen

Wiesenknopf

08

Samen

Als Standardfutter gibt man das ganze Jahr über eine Waldvogelmischung für feinschnäblige Vögel. Eine Mischung aus Gritt und Laubwalderde nehmen sie gern. Im Frühjahr sind Obst- und Koniferenzweige immer willkommen. Stieglitze verfüttern an ihre Jungen gerne Distelsamen. Das ist der Grund warum sie so spät brüten, denn der Samen reift im Jahr ziemlich spät. Stieglitzmännchen haben auch längere und spitzere Schnäbel als die Weibchen. Sie können damit die feinen, tiefsitzenden Distelsamen ohne Mühe aus den wolligen Fruchtständen herausholen und verfüttern, während die Weibchen die Jungen noch Hudern oder schon bei der nächsten Brut sind. Ein gutes Aufzuchtfutter sollte schon vor der Brutzeit gereicht werden. Sie müssen es nämlich kennen um es an die Jungen weiter zugeben. Die Jungen bekommen von den Eltern in den ersten Tagen animalische Kost wie Ameisenpuppen der Rasenameise, frischgehäutete Mehlkäferlarven, Pinkys, Fruchtfliegen usw. Das Lebendfutter wird jeden 2. Tag mit Sonnenblumenöl benetzt, damit die Vitamine besser haften bleiben. Täglich frisches Wasser zum Baden und Trinken getrennt dürfte wohl selbstverständlich sein.

Ausklang

Stieglitze gehören mit zu den schönsten Körnerfressern. Sie singen ausdauernd und sind gerade in einer Voliere mit natürlicher Bepflanzung so richtige Schmuckstücke um den uns viele Liebhaber beneiden. Sie lassen sich nach der Eingewöhnung bei ausgewogener Ernährung gut halten und züchten. Sie können dann auch ein hohes Alter von 15 bis 16 Jahren in Menschenobhut erreichen. Sie sind auch Anfängern zu empfehlen.

Literatur

bullet

ALTENDORF, W. (1994): Der Stieglitz, Die Voliere 17:168.

bullet

BEZZEL, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Singvögel, Wiesbaden.

bullet

BIELFELD, H. (1984): Einheimische Singvögel, Ulmer Verlag.

bullet

CLASSEN/MASSOTH (1994): Handbuch der Cardueliden. Band 2, Pforzheim.

bullet

DROST, R. (1951): Kennzeichen für Alter und Geschlecht, Ornith. Merkblätter Nr. 1, Aachen.

bullet

GLÜCK, E. (1980): Ernährung und Nahrungsstrategie..., Ökol. Vögel 2:43-91.

bullet

GLÜCK, E. (1984): Brutbiologie des Stieglitzes, Die Voliere 7:7.

bullet

GLÜCK, E. (1985):  Stieglitz, Graukopfstieglitz, Die Voliere 8, Heft 6:208.

bullet

GLUTZ VON BLOTZHEIM, U.N. (1997): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 14/2
Wiesbaden.

bullet

HACHFELD, B. (1985): Brutbiologie Stieglitz, Die Voliere 8:96.

bullet

HARTERT, E. (1910): Die Vögel der paläarktischen Fauna, Systematische Übersicht, Berlin.

bullet

HOLM, K. (1996): Wichtige Futterpflanzen......, Die Voliere 19:212.

bullet

KIRSCHKE, S. (1990): Meine Erfahrungen mit dem Stieglitz. Gef. Welt Heft 4:111.

bullet

KNOEDLSEDER, R. (o. J.): Der Stieglitz, http://www.cardinalis.de/stieglitz.htm

bullet

LEHNER, M. (1976): Eine geglückte Stieglitzzucht im Winter, Gef. Welt 100:170-171.

bullet

REBER, U. (1992): Der Stieglitz, Die Voliere 5:153.

bullet

ROJAHN, H.-D. (1989): Zur Ernährung...., Kanarienfreund 42:392.

bullet

SABEL; K. (1983): Naturgemäße Finkenzucht, Joko, Bassum.

bullet

WEIGANG, H. (1983): Haltung und Zucht des Stieglitzes, Die Voliere 6:105.

bullet

WOLTERS, (1975-1982): Die Vogelarten der Erde, Berlin.

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Foto © Sergey Yeliseev
http://elis-birds.narod.ru
Carduelis c.  major  ist mit bis zu 15cm die größte Stieglitzform und bis Sibirien verbreitet.
Nagornoe, nähe Moskau
Sergey Yeliseev: "This shot was taken July 6, 2004 at Nagornoe (less than 1 km from the border of Moscow)."

Stieglitz Foto Günter Hahn
Foto © Günter Hahn
www.schmetterlinge-insekten-westerwald.de
Diese wunderbare Flugaufnahme des Carduelis carduelis  zeigt deutlich die leuchtend gelbe Binde im schwarzen Flügel und die kräftig rote Gesichtsmaske, die den Stieglitz unverwechselbar macht.

Stieglitz - Zeichnung auf Leinwand von Angelika Bornstein
Zeichnung auf  Leinwand von

Testen Sie Ihr Wissen über den Stieglitz

Stieglitz - Foto Gabi Schulemann
Foto © Gabi Schulemann,
Anissáras, Sommer 2003
www.birds-online.de/
Kreta
Gabi Schulemann: "Selten sind mir so viele Stieglitze begegnet, wie es auf Kreta der
Fall war. Sie sind nahezu überall im Tiefland in Gruppen von bis zu etwa 20 Tieren anzutreffen. Gemeinsam gehen sie auf die Nahrungssuche."

 

Graukopfstieglitz Foto: © Heinz Hildebrand
Graukopfstieglitz
Foto © Heinz Hildebrand

Graukopfstieglitz in Achat Foto Konrad Schnaible
Graukopfstieglitz in Achat
Foto © Konrad Schnaible
www.the-birdhouse.de

Graukopfstieglitz Foto Konrad Schnaible
Graukopfstieglitze
Foto © Konrad Schnaible
www.the-birdhouse.de

Graukopfstieglitz

Bei diesen Stieglitzen fehlt das Schwarz am Hinterkopf und Rücken, welches durch ein Graubraun ersetzt wird. Die rote Maske ist kleiner und reicht nicht so weit bis zur Stirn.

 

Systematik:

Nach WOLTERS (1975-1982) ergibt sich folgende Einordnung in das zoologische System:

Familie
CARDUELIDAE
Gimpel, Hänfline

Gattung
CARDUELIS  Briss., 1760
Stieglitze

Art
Carduelis carduelis (Briss., 1758)
Stieglitz
STIEGLITZ ODER
DISTELFINK

RASSENGRUPPE
UNTERARTEN: 9
1. carduelis  (L., 1758) STIEGLITZ
parva, tschusii, britannica, carduelis, balcanica, major, niediecki, brevirostris, loudoni

RASSENGRUPPE
UNTERARTEN: 3
2. caniceps Vig., 1831
GRAUKOPF-STIEGLITZ

paropaniceps, caniceps, subulata

 

Verbreitung / Lebensraum:

 Verbreitung: Ackerland Verbreitung: Laubwald Verbreitung: Tundra und Heidelandschaft  

Verbreitungskarte Stieglitz - © Manfred Giebing
Brutvogel, der nur im Sommer anwesend ist Ganzjährig anwesender Vogel Wintergast Selten oder kein Vorkommen
Verbreitungskarte
Der Stieglitz ist Teilzieher, in Mitteleuropa in klimatisch günstigen Gegenden überwintern ein Teil der Populationen. Ansonsten kommt er im März in seine Brutgebiete und zieht in Oktober in den Süden.

Sein Lebensraum sind offene Landschaften mit Gehölzen, wie Obstgärten,  Alleen, Parks und Gärten.

Jahresdiagramm ueber die Beobachtungshaeufigkeit des beschriebenen Vogels
nicht zu beobachten recht häufig zu beobachten am häufigsten zu beobachten

 
Links zum Thema


Digitale-Momente


Fotoreiseberichte.de -
Kreta - Vögel



Stieglitz (Gartenspaziergang)


Distelfink-Foto - Naturfotografie Digital - Fotos Distelfink


http://www.halleseite.de/ Stieglitz, Distelfink (Carduelis carduelis)


The-Birdhouse / Haltung, Pflege und Zucht vom Stieglitz


http://www.natur-lexikon.com


http://www.limmatau.ch - Stieglitz Carduelis carduelis


Vögel der Schweiz - Detail


http://hometown.aol.de/
manoboxen/Distelfink.htm


Borken Anholt Ameland Naturschule

 

Literatur-Tipps


show Cover
Thomas Wendt:
Heimtiere - Reihe
Einheimische Singvögel halten und züchten
Einheimische Singvögel halten und züchten. 2002. 96 Seiten, 50 Fotos, 20 Zeichnungen. Gebunden. Format 16,5 cm x 23,0 cm. ISBN 3-8001-3298-2

Bussard | Die Biologie des Gimpels | Die Drontenvögel | Der Eisvogel | Der Graureiher | Der Habicht | Der Bluthänfling | Die Kernbeisser | Der Kormoran Phalacrocorax carbo | Die Kreuzschnäbel | Der Mauersegler - Vogel des Jahres 2003 | Die Rauchschwalbe | Der Star in Menschenobhut | Der Stieglitz oder Distelfink – Carduelis carduelis | Der Uhu (Bubo bubo) - Ist er wieder heimisch? | Der Unglückshäher - Glücksvogel der Lappen | Der Zaunkönig | Künstlergruppe Artenvielfalt | Ausgestorben

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Copyright © 2004 Manfred Giebing  Stand: 26. November 2007