Der Sperlingsvögel in freier
Wildbahn beschäftigt sich außerhalb der Brutzeit hauptsächlich mit Schlafen,
Gefiederpflege und Nahrungssuche. Da er viel Energie benötigt muss er sie
sich durch Nahrung zuführen. Versucht man die Sperlingsvögel nun einzuteilen
in Körnerfresser, Samenfresser, Früchtefresser und Insektenfresser, so ist
dieses nicht möglich. Warum? Viele Körnerfresser, wie beispielweise Finken
oder Cardueliden benötigen zur Brutzeit animalische Kost. Viele
Liebhaber geben ihren Vögeln anstelle Insekten Eifutter und Weichfutter. Ob
das die richtige Lösung ist? Ich persönlich meine nein und deshalb füttere
ich Insekten. Im Herbst nehmen diese Vögel meistenteils Beeren auf, sodass
ihre Mauser ohne Schwierigkeit verläuft. Ebenso stellt sich ein
Insektenfresser, auch Weichfresser genannt, wie beispielsweise die
Grasmücke, im Herbst auf Beerennahrung um. Weichfresser benötigen meistens
Lebendfutter um den Brutreiz auszulösen. Die meisten Samenfresser, wie der
Feldsperling, füttern ihre Jungen mit Insekten und nur wenige Arten auch mit
Samen wie der Stieglitz. Amsel und Star nehmen im Frühjahr hauptsächlich
Insekten auf und gehen im Sommer über zu Früchten, wie Kirschen und
Weintrauben. Man merkt wie vielseitig und abwechslungsreich die Vögel sich
in Freiheit ernähren, also versuchen wir sie genau so bei uns in
Menschenobhut zu versorgen. Dazu benötigen wir Lebendfutter. Alles was die
Vögel so in Freiheit an Insekten, Raupen, Würmern und Käfern fangen und zu
sich nehmen. Man kann Lebendfutter kaufen, wenn man die Umstände
nicht scheut selber züchten und wer Zeit investiert kann die lebenden
Insekten fangen. nach oben
War es vor wenigen
Jahrzehnten noch unmöglich eine Vielzahl von Arten an Lebendfutter zu
kaufen, so ist heutzutage preisgünstig alles zu kaufen. Dies ist aus vielen
Gründen vorteilhaft, greifen sie anders als beim Fang von Wildinsekten nicht
in den natürlichen Artenbestand ein. Die gezüchteten Insekten sind optimal
ernährte Futtertiere. Man kann sich das Lebendfutter zusenden lassen, es
wird dann sogar ins Haus gebracht. Auch ist die Selbstabholung beim Händler,
wie auf einer bekannten Vogelbörse im Oberbergischen möglich, welche am 1.
Sonntag jeden Monat stattfindet. Was ist an Lebendfutter zu kaufen: Da sind
von Mini-Mehlkäferlarven bis zu der ausgewachsenen Mehlkäferlarve, weiterhin
noch Buffalo und Zophobas zu haben. Ebenfalls sind Heimchen, Grillen und
Heuschrecken von mikro über kleine und mittel bis große im Angebot.
Natürlich dürfen kleine und große flugunfähige Drosophila nicht fehlen.
Maden und Pinkys für den Kleinverbraucher ab 125 ml bis zum großen Bedarf
von 1Liter und mehr für den Großverbraucher sind zu haben. Um das Sortiment
abzurunden gibt es noch Rosenkäferlarven, Tebo-Raupen, Dendrobena, Tauwürmer
und Ameiseneier. Wer kein Lebendfutter benötigt kann die einzelnen Arten
auch gefroren oder um eigenes Futter zu mischen getrocknet mitnehmen. Für
Aquarium-, Terrarium- oder Vogelliebhaber sind noch Wasserflöhe,
Bachflohkrebse, Wasserfliegen, Garnelen und Muscheln zu haben.
nach oben
Wir versuchen unseren Vögeln
das Leben und die Nahrung wie in freier Wildbahn zu bieten. Natürlich kann
dieses nicht so spannend und nur annähernd geschehen. Was macht ein Vogel
der in Freiheit lebt? Er muss immer acht geben um nicht von einen
Greifvogel, einer Eule, einen Marder oder einer Katze getötet und gefressen
wird. Dazu kommen noch die vielen Stunden der Nahrungsbeschaffung. In
Menschenobhut entfällt dieses, da er sein ausreichendes Futter und sein
Badewasser hat. Wir müssen uns also bemühen, bevor der Vogel phlegmatisch
wird, ihn aus seiner Lethargie durch Lebendfutter zu kompensieren.
Insektenfresser brauchen
das Lebendfutter zur
Auslösung des Brutreizes und als Nahrung für ihre Nachkommenschaft. Allein
schon deswegen ist es gut, einen Teil der Futtertiere selbst zu ziehen.
nach oben
Viele Insekten sind im
menschlichen Lebensbereich als Schadinsekten anzusehen. Bei ihrer Haltung
ist darauf zu achten damit sie nicht entweichen und Schaden anrichten.
Deshalb sollte eine Zucht der Insekten nach Möglichkeit in einem
geschlossenen Raum erfolgen und dieser sich nicht in der Wohnung sondern im
Vogelhaus, Heizungskeller usw. liegen. Ist das nicht möglich, so sind
unbedingt zu verschließende Behälter verwandt werden damit keine Tiere
entkommen und die Wohnung mit ihren Nachkommen verseuchen. Um dem
vorzubeugen reicht es aber auch aus, verschiedene Stellen des Raumes mit
einem guten Vernichtungsmittel zu versehen. Natürlich muss der Raum mit
Licht und Heizung versehen sein.
Die Kosten der Anschaffung für Behälter und Fanggeräten fallen nur im ersten
Jahr an und sind nicht weltbewegend. Selber bin ich erst mit einigen
Plastikbehältern eingestiegen, welche für die Fütterung und auch für die
Entnahme eine Klappe hatten. Als die Zucht dann letztendlich klappte kamen
immer mehr Behälter hinzu. Die Heizungskosten können entfallen, wenn die
Zucht im Heizungskeller aufgebaut wird. Wer das nicht kann, der besorgt sich
die kleinen Bodenheizungen von Minitreibhäusern, diese sind sparsam und
halten die Wärme konstant. Es bleiben also nur die Zuchtansätze welche je
nach der zu ziehenden Art unterschiedlich kosten.
Züchten kann man all das was man braucht. Dieser Bericht soll Anregungen
geben, deshalb werden einzelne Arten nur angesprochen. Wer züchten will
sollte sich entsprechende Literatur besorgen wie von: JAHN, J. (1978):
Lebendfutter für Aquarien- und Terrarientiere sowie Vögel, Philler, Minden.
nach oben
Artemenia sind Salinenkrebse die in Salzwasser unter guter
Belüftung und bei 20 bis 30° Celsius gezüchtet werden. Sie sind für
Zärtlinge wie Goldhähnchen gedacht. nach
oben
Drosophila, die flugunfähigen Fruchtfliegen lassen sich am besten in
alten Bienenwaben ziehen. Der Zuchtbehälter sollte dunkel sein.
nach oben
Enchyträen, kleine Regenwurmverwandte, sind ein gutes geeignetes
Futter für Zärtlinge, wie beispielsweise Laubsänger und Grasmücken. Es sind
dünne, helle etwa 10 bis 45 Millimeter lange Würmer. Sie sind gut in
feuchtfauligem Laubwaldboden zu ziehen. nach
oben
Fliegenmaden: Sehr einfach sind sie selbst zu züchten. Ein alter
Eimer mit Deckel ist für diesen Zweck gut genug. Im Boden werden mehrere
Löcher gestochen. Bis zur Hälfte werden ein paar Fleischkochen in den Eimer
gefüllt. Nach wenigen Stunden in der Sonne wird der Eimer verschlossen und
auf die Voliere gestellt. Die sich entwickelnden Maden fallen durch die
Löcher im Boden in die Voliere. Die Vögel haben die Futterquelle bald
entdeckt und nehmen die Maden zu sich. Solch ein Eimer stinkt erbärmlich,
deshalb kann man ihn nur aufstellen, wenn der Nachbar nicht zu nah wohnt.
nach oben
Getreideschimmelkäfer: Seine
Larven sind die Buffalos. Sie werden wie
Mehlkäferlarven gehalten und von den Vögeln gerne gefressen.
Grillen sind bei mindestens 30 bis 35° C zu
züchten. Das Problem bei ihnen ist, das Frischgeschlüpfte durch Drahtgaze
kommen. Also sollte der Behälter glatte Wände haben und mindestens 40 bis 50
Zentimeter hoch sein. Die Junggrillen schlüpfen nach 15 Tagen und sind mit 2
bis 2 ½ Monaten schon zu verfüttern. nach
oben
Mehlkäferlarven: Am besten fängt man mit
ihm an. Die Mehlkäferlarven, auch Mehlwürmer genannt sind in der Vogelzucht
bekannt und sehr verbreitet. Sie können das ganze Jahr über gezüchtet
werden. Gerade die frischgehäuteten weißen Larven sind bei den Vögeln sehr
begehrt. Sie sollten mäßig verfüttert werden, da die Vögel schnell von ihnen
fett werden. Wer beispielsweise nur Mehrkäferlarven und dazu noch reichlich
verfüttert muss damit rechnen, dass irgendwann seine Vögel gesundheitliche
Einbußen erleiden können wie Fußgeschwüre und Augenerkrankungen. Vermutet
wird, dass der hohe Fettgehalt der Würmer und die giftigen Bestandteile der
Chitinhülle ungünstige Auswirkungen auf den Vitaminhaushalt nimmt. Vor der
Verfütterung an die Vögel sollten die Larven mehrere Tage sehr vitaminreich
ernährt werden. Zudem sollten nur frisch gehäutete, also weiße Larven und
Puppen verfüttert werden. nach oben
Mückenlarven in rot, schwarz und weiß werden ebenfalls in
Regenfässer gezogen. Sie werden mit einem feinen Netz herausgesiebt und in
flachen Schalen verfuttert. Nicht unter das Weichfutter geben, da sie sehr
schnell verderben. nach oben
Wachsmotten, als Schädlinge im Bienenstock
sind ein gutes Aufzuchtfutter und zugleich eine gern gefressene
Eiweißquelle. Sie sind in der Zucht bei 25 bis 30° Celsius und dunkel zu
halten. nach oben
Wasserflöhe zieht man in einer Regenwassertonne ohne Deckel. Man
braucht nur ein feines Netzt zum fangen und bietet den Vögeln die Tiere in
einer flachen Wasserschale. Man sollte die Tiere nicht unters Weichfutter
geben, da sie besonders im Sommer schnell schlecht werden.
nach oben
Zophobas sind die Larven des
Großen Schwarzkäfers und werden wie Mehlkäferlarven
gehalten. Nach 12 Tagen bei 28° C schlüpfen die Larven. Nach ca. 2 Monaten
sind sie fast ausgewachsen und können schon verfüttert werden. Die Zucht ist
geruchlos. nach oben
Ameisenpuppen auch Ameiseneier
genannt sind von den Vögeln sehr begehrt. Man braucht sie für verschiedene
Weichfresser als Start in die Brutzeit. Die Rote Waldameise, die große
Nester baut ist bei uns geschützt. Tiefgefroren werden die Puppen aus
anderen Länder importiert und sind bei uns zu kaufen. Für uns zum
Selbstsammeln kommt nur die Wiesen- oder Rasenameise infrage. An sonnigen
Tagen lohnt es sich an Böschungen, Feldrainen und im Garten nach Nestern zu
suchen. Man sollte nicht alle Puppen entnehmen.
Blattläuse von Bäumen,
Sträuchern und auch von Gemüsepflanzen werden gerne von unseren Zärtlingen
wie Goldhähnchen oder Laubsänger genommen. Die schwarzen Blattläuse die man
auf dem Holunder und an Saubohnen findet frisst nicht jeder Vogel. Hier
heißt es ausprobieren. nach oben
Heuschrecken dürfen nicht von einer mit Fäkalien gedüngten Wiese
gefangen und verfüttert werden. Bei feuchtem Wetter bilden sich Nematoden,
also kleine Fadenwürmer. Ihre Larven sitzen an den Grashalmen. Bei Bewegung
wechseln sie auf die Heuschrecken und bohren sich hinein und entwickeln sich
zu Würmern. Werden sie von den Vögeln gefressen, so stirbt der Vogel.
Ansonsten sind Heuschrecken gleich welcher Art ein gutes Futter. Sie
sollten vor dem Verfüttern abgetötet werden. nach
oben
Motten sind gut mit einer Lichtfalle in der
Nacht zu fangen nach oben
Tubifex sind ein gutes Futter für Weichfresser.
Sie sind bis zu 8 Zentimeter lange Schlammröhrenwürmer die im Faulschlamm
der Bäche zu finden sind. Sie müssen mit einem stabilen Metallsieb geborgen
und abgespült werden. nach oben
Wiesenplankton ist ein
abwechslungsreiches sehr gutes Futter. Mit einem feinen Netz streift man
über die Wiese und sammelt alles was da fleucht ein. Damit die Tiere nicht
entkommen, werden sie in einem schmalen Glas gesammelt. Vor dem Verfüttern
werden die Tiere kräftig geschüttelt und dann in einer Schale den Vögeln
hingesetzt. Plankton kann auch eingefroren werden.
nach oben
Das Töten und Abtrocknen der Wildinsekten geschieht folgendermaßen. Es
darf kein Gift genommen werden, weil das für unsere Vögel schädlich wäre. Am
einfachsten ist es die Insekten mit kochendem Wasser in einem Sieb zu töten.
Der Tod tritt sofort ein. Die toten Tiere werden auf mehrere Lagen
Krepp-Papier zum Abtropfen gelegt und können danach, damit sie nicht
zerdrückt werden in einer Dose eingefroren. nach
oben
Dieser Bericht soll
Vogelliebhaber Anregungen geben seinen Vogellieblingen ruhig Lebendfutter
anzubieten. Ob sie nun Lebendfutter kaufen, züchten oder Fangen bleibt ihnen
überlassen. nach oben
CREUTZ, G. (1953): Schnecken
als Vogelnahrung, Beiträge zur Entomologie, Berlin:413.
MARTIN,
H-J. (1990):Tierisches Futter für Finken und Prachtfinken, Die
Voliere 13,
H.9:260.
MUTH; B. (1992): Zur
Ernährung empfindlicher Weichfresser, Die Voliere 15, H.12:371.
SABEL, K. (1967): Wald- und
Wiesenvögel, Kosmos Stuttgart.
SABEL, K. (1983): Naturgemäße Finkenzucht, Joko,
Bassum. nach oben
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Worüber möchten Sie
mehr lesen und wie lautet Ihr Wunschartikel?
Bitte kontaktieren Sie mich: