Der
weltberühmte deutsche Alexander von Humboldt erkannte die Bedeutung des
»Guanos« für die Landwirtschaft. Der Kot der fischfressenden Vögel ist ein
idealer Dünger der mit Kalk, Phosphor und Stickstoff angereichert ist. Bis
zu diesem Zeitpunkt war der beste Dünger Fledermaus-Guano, der Kot welcher
jahrtausendelang in Höhlen gelagert war, aber seine wirtschaftliche
Bedeutung ist nicht mit Vogel-Guano zu vergleichen. Die Verwandten unseres
Kormorans haben auf den südamerikanischen Brutplätzen ihren Kot abgesetzt.
Man hat gerechnet und festgestellt, dass eine dichtbesetzte Kolonie
innerhalb eines Jahrhunderts mit ca. 2 Meter Guano bedeckt wird. Da wo kein
Regen die Ablagerungen wegspülte, häuften sich im Laufe der Jahrhunderte, ja
sogar Jahrtausende, gewaltige Guanoschichten bis einer Mächtigkeit von bis
zu 60 Metern. Den größten Anteil daran hat der Guanaykormoran. Es wurde
extra ein ganzer Wirtschaftszweig mit der Vermarktung des Guanos errichtet.
Firmen die uns heute noch Dünger mit Guano verkaufen.
Er ist
verbreitet in Nordostnordamerika, Grönland (Küsten), Island, Brit. Inseln
(Küsten), Nord-, Mittel- und Südosteuropa (lokal) bis Japan, Südneuguinea,
Südwest-, Süd- und Ostaustralien, Tasmanien, Neuseeland, Aethiopis und
Westmarokko. Fischreiche Süß-, Brack- und Salzgewässer und die Meeresküsten
sind der Lebensraum der Kormorane. In Mitteleuropa wurde er fast ausgerottet
und war nur noch an den nordeuropäischen Küsten und in Südeuropa zu finden.
Neuerdings scheinen sich die Bestände besonders im Binnenland zu erhöhen,
sie sind aber von menschlicher Duldung abhängig. So hält sich bei Neuwied am
Rhein seit Jahren schon eine kleine Kolonie auf. In Europa kann man auf die
Unterarten Phalacrocorax carbo carbo und Phalacrocorax carbo
sinensis stoßen.
Mit einer
Länge von 56 - 91,5 Zentimetern ist der Kormoran ein gänsegroßer
Wasservogel. Sein Gefieder ist bronzebraun und schwarz. Seine Kopfseiten und
sein Kinn sind weiß. Bemerkenswert und schön sind seine smaragdgrünen Augen.
Zudem hat er eine gelenkige Verbindung mit der sein Oberschnabel aufgeklappt
werden kann, eine Eigenart, die wir auch bei der Waldschnepfe finden. Im
Brutkleid hat er einen auffallenden weißen Fleck an den Flanken. Er trägt
keine Federhaube. Bei cinensis sind Kopf und Hals im Brutkleid
bisweilen völlig weiß. Männchen und Weibchen gleichen sich,
Männchen sind aber etwas größer. Die nördlichen Arten der Kormorane sind
überwiegend dunkel gefärbt, zeigen aber einen metallischen Glanz, nur Kopf
und Kehle heben sich leuchtend vom Gefieder ab. Kormorane der südlichen
Hemisphäre haben aber helle Unterseiten. Im Jugendkleid sind sie
dunkelbraun mit heller Unterseite. Sie können mit gleichaltrigen
Krähenscharben verwechselt werden, doch ist der Kormoran größer, die
Unterseite ist bei ihm trüb weiß und mit braunen Federn durchsetzt, während
junge Krähenscharben unterseits einfarbig braun sind. Der Nestling
schlüpft nackt mit schwärzlich-brauner Haut und rosa Kopf. Innerhalb einer
Woche wächst das dunkelbraune Dunenkleid, wobei Zügel, Augenumgebung und
Kinn nackt bleiben.
Der Kormoran
ist tagaktiv. Sein Gang ist watschelnd. Der Flug ist ruhig, trotz der
raschen Flügelschläge. Zwischendurch ist ein Gleitflug möglich. Er taucht
mit einem Luftsprung. Die Tauchdauer beträgt 15 - 30, ausnahmsweise 70
Sekunden. Die Tauchtiefe bis 16 Metern ist verbürgt. Er ruht auf Pfählen
oder dürren Bäumen, Klippen oder anderen Warten oder er trocknet sein
Gefieder wie ein Wappenaar. Er ist sehr gesellig. Bei Störungen in der
Kolonie würgen Alt und Jung ihre Nahrung aus.
Der Kormoran
ist abseits der Brutkolonie still. In derselben ruft er zum Beispiel »Chroho-chroho-chroho«
oder in vielen Abwandlungen. Der Drohruf des Männchens ist ein »Agock-kock-kock«
und der vom Weibchen ein »Flii-flii-flii«. Vor dem Start und der Landung
sind rollende Rufe zu hören.
Sie werden
meist in Tiergärten gehalten. Für die Liebhaberzucht sind sie wenig
geeignet, da sie großräumige Wasseranlagen brauchen. Auch benötigen sie
täglich frische Fische. Der Kot ist scharf ätzend. Sie sind ausdauernde und
leichte Pfleglinge. Sie werden häufig mit anderen Stelz- und Wasservögel in
Freianlagen oder in Vogelhäusern gehalten.
Die
Geschlechtsreife tritt am Ende des 3. Lebensjahres, oft aber erst im 4.
Lebensjahr ein. Es wird eine monogame Saisonehe geführt. In der Zeit von
April bis Juni wird eine Jahresbrut, gelegentlich auch zwei Jahresbruten
getätigt. Bei Verlust des Geleges ist auch ein Nachgelege möglich. Der
Kormoran ist Koloniebrüter.
Es lassen
sich bei der Balz zwei Verhaltensweisen unterscheiden. Das Flaggen
findet im Nest statt. Der Vogel hebt den gefächerten Schwanz nach oben, hält
den Kopf und den Hals senkrecht und schlägt mit den halbentfalteten Flügeln.
Das Gurgeln in dem der Vogel aus dem Flaggen heraus den Kopf
nach hinten wirft und unter Rufen hin und her schleudert. Das Weibchen nimmt
die Huldigungen hoch aufgereckt entgegen, sträubt dabei die Nackenfedern und
zeigt schließlich die gleichen Unterwerfungsgesten, wenn es die Werbung
annimmt. Hiernach folgt die Kopulation, wobei der aktive Vogel mit weit
geöffnetem Schnabel den Hals des Partners herunterdrückt und ihn sanft
streicht.

Kormorankolonie. Foto: © Oppenborn
Kormorane
bauen ihr Reisignest auf Bäumen, Klippen, gelegentlich sogar im Rohrdickicht
oder am Boden. Bevorzugt werden größere Bäume. Auf einer an die 40 Meter
hohen Buche zählte man einmal 145 Nester. Das Nest wird mit Knüppel oder
kräftige Reiser als Grundlage, darüber feinere dürre oder frischgrüne Zweige
mit Blättern zur Ausfütterung der Mulde und Tang, Schilf Gras usw.
errichtet. Gerne wird auch Wohlstandsmüll verbaut. Es können auch
vorjährige Nester ausgebessert werden. Beide Partner bauen oder bessern das
Nest aus. Das Material wird in der Regel von den Bäumen abgerissen oder
durch Tauchen aus dem Wasser geholt. Es wird selbst noch während der
Jungenaufzucht gebaut. Es wird stets nur ein Zweig transportiert. Durch den
ätzenden Kot sterben die Bäume innerhalb von 4 bis 5 Jahren ab. Wenn es
soweit ist, zieht die ganze Kolonie um. Oft nisten Kormorane auch in
Reiherkolonien. Hier gibt es nur kurz Streitigkeiten wegen der Reihernester
die der Kormoran besetzt, aber danach vertragen sich alle wieder und das
Leben geht wieder normal in der Kolonie weiter.
Ein
Kormorangelege besteht aus 3 bis 4 Eier. Sie sind zart hellblau gefärbt und
mit einer charakteristischen Kreideschicht fast ganz überzogen. Sie haben
die Größe von 63,97 x 39,49 und wiegen frisch 57 Gramm. Die Eiablage erfolgt
im Abstand von 2 - 3 Tagen. Schon nach der Ablage des 1. Eies beginnt die
Brut von 28 - 29 Tage durch beide Partner.

Kormoran
auf dem Nest. Foto: © Oppenborn
Die blinden
und nackten Jungen schlüpfen meist asynchron und bekommen nach 8 Tagen ihr
dichtes dunkelgraues Dunenkleid. Die Aufzucht der Jungen erfolgt durch beide
Altvögel. In der ersten Zeit werden die Jungen viel gehudert. Die Jungen
werden zuerst aus dem Schnabel gefüttert und holen sich später die Nahrung
tief aus dem Elternschnabel. Sie öffnen am 3. bis 5. Tag die Augen. An
heißen Tagen wird den Jungen auch so Wasser gebracht und gereicht. Für einen
Naturfreund kann es ein unvergessliches Erlebnis sein in der Nähe einer
Kormoran-Kolonie eine Pause einzulegen um sich das rege Leben anzusehen und
dabei das Gewinsel der Jungen und den harten und dumpfen Töne der Altvögel
anzuhören. Im Alter von 5 Wochen verlassen sie das Nest, mit 8 Wochen erst
sind sie voll flugfähig und sind noch weitere 12 Wochen von den Altvögeln
abhängig. Bei Gefahr würgen sie Futter hervor.
Die Jungensterblichkeit ist enorm. Nach Schätzungen in den Niederlanden
sterben an Kormoran-Weibchen 36 % im 1., 22 % im 2. und in den folgenden
Jahren 9 – 14 %. Der wahrscheinlich älteste Kormoran-Ringvogel wurde von
einer Kugel im 20. Lebensjahr getroffen, wer weiß wie alt er geworden wäre.
Die
Jugendmauser ist eine Teilmauser, sie beginnt im August und endet im
Frühjahr, geht aber in die erste Ruhemauser über und verläuft bis in den
Herbst des 2. Kalenderjahres, wo wiederum die erste Brutmauser, eine
Vollmauser, beginnt. Das dabei erworbene 2. Ruhekleid ist im Winter wieder
abgetragen und ein Teil des Kopf-, Hals- und des Körpergefieders wird wieder
erneuert (2. Ruhemauser). Im Herbst folgt wieder eine Vollmauser (2.
Brutmauser) und frühestens während der nun folgenden 3. Ruhemauser erhält
der nun mindestens dreijährige Vogel sein voll ausgebildetes Prachtkleid.
Die weißen Schmuckfedern beginnen schon Ende April wieder auszufallen. Die
3. Brutmauser beginnt von Juli bis September mit dem Wechsel der
Schopffedern und dauert bis November. Die Brutmauser der Altvögel geht von
Juli bis Dezember. Die Ruhemauser, welche für das Prachtkleid zuständig ist
geht von Januar bis April.
Kormorane
ernähren sich ausschließlich von Fisch, dieser wird tagsüber in Tauchgängen
von der Oberfläche aus erbeutet. Sein Tagesbedarf soll bei etwa 750 Gramm
liegen. Anders als andere
Wasservögel, deren Federn wasserabweisend konstruiert sind und außerdem
noch eingefettet werden, mit dem Fett der Bürzeldrüse, werden Kormorane beim
Tauchen nass bis auf die Haut. Deshalb
gehen Kormorane nur wenn sie Hunger haben auf Tauchstation. Sie sitzen nach
dem Tauchen so lange mit ausgebreiteten Flügeln bis sie trocken sind. Damit
das schneller geht schwenken sie die Flügel zum Trocknen im Wind. Das
Beutetier wird gewöhnlich vor dem Verschlucken zur Oberfläche gebracht. Von
der Kolonie aus legen Kormorane bis zu 50 km zurück, um ihre bevorzugten
Jagdgründe aufzusuchen. Sie gehen mit dem Kopf unter Wasser um nach einer
Beute Ausschau zu halten. Die Kormorane stellen besonders gern Fischen nach,
welche am Boden leben und sich tagsüber im Schlamm und Morast verstecken.
Hierzu gehört auch der Aal, der wenn er sich eingewühlt hat, sichtbar seine
Mundspitze aus dem Schlamm heraus hält. Dieses ist der Angriffspunkt für
den Kormoran, er packt die Spitze des Maules und zieht den Aal heraus. Auch
Vögel die niedrig fliegen oder in seiner Nähe sitzen, kann er blitzschnell
greifen.
Kormorane
leben fast ausschließlich von Fischen, deshalb wurden sie als
Nahrungskonkurrenten des Menschen schon immer rücksichtslos verfolgt. Mit
dem Aufkommen des Naturschutzgedankens wurde er in den letzten Jahren besser
geschützt, deshalb gibt es wieder in Mitteleuropa rasch wachsende Kolonien.
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BAUER,
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