|
Teil 5
Wir sehen also, dass
die Vorzugsnahrung des Hänflings sowohl aus länglichen Getreidekörnern,
runden Rapskapseln oder sehr kleinen Beifußsamen bestehen kann, ohne
gemeinsame Merkmale aufzuweisen. Ebenso nimmt er Samen in allen
Reifestadien zu sich. Im Sommer bevorzugt er saftreiche Nahrung, so
werden gerade im Frühsommer die saftreichen Blütenblätter des Löwenzahns
aufgenommen.
Das ganze Jahr über, reiche ich den Hänflingen eine
Spezialfuttermischung eines bekannten Versandhandels zur freien
Aufnahme. Zusätzliche Gaben von Salat-, Distel- und Erlensamen nehmen
sie gerne an.
Im
Frühjahr und Herbst reiche ich besonders viel Quell- oder Keimfutter.
Selbstverständlich sollte das ganze Jahr über Grit, Sand und Futterkalk
zur Verfügung stehen. Ebenso werden in den aktiven Phasen, wie Brutzeit
oder Mauser, aminosäurereiche Beigaben, Vitamine, Mineralien und
Spurenelemente nicht fehlen.
Als Aufzuchtfutter für die Jungen werden zum größten Teil halbreife
Sämereien von Gras, Huflattich, Löwenzahn und Raps verfüttert. Insekten
als Aufzuchtfutter werden nur selten benötigt, man sollte aber
wenigstens den Versuch machen und Blattläuse und Ameisenpuppen anbieten.
Selbstverständlich ist es wohl täglich frisches Trink- und Badewasser zu
reichen.
Die blutrote Farbe,
welche das Männchen in der freien Natur bekommt, entsteht durch Abrieb
der Federspitzen. Vermausern sie dagegen in Menschenobhut, so erhalten
sie kaum eine Rotfärbung. Die Gründe können mangelnde Bewegung sein,
sowie keine ausgewogene Ernährung, da dann die erforderlichen
Farbpigmente fehlen.
Hier kann die Haltung in einer biotopgerechten Voliere, welche die
entsprechende Bewegung bietet, Abhilfe schaffen. Auch Pflanzen mit
entsprechender Rotfärbung, wie Sauerampfer und Wegerich helfen hier.
Eine richtige Fütterung wie weiter oben aufgeführt ist immer richtig.
Unterstützen kann auch die Gabe von Rotfärbepräparaten. Wichtig ist
immer, schon vor der Mauser mit der Gabe von Präparaten und
entsprechende Sämereien zu beginnen.
Da der Hänfling fast
ausschließlich seine Jungen mit Sämereien groß zieht, erscheint seine
Zucht besonders leicht zu sein, was sich aber als Trugschluss erweist.
Es ist meistens seine angeborene Scheu ,welche ein Hemmnis darstellt.
Also geben wir genügend Deckungsmöglichkeiten. Weiterhin sollte man nach
Möglichkeit ein Paar sich selber finden lassen, denn harmonisierende
Paare sind während der Aufzucht der Jungen besonders wichtig. Denken wir
doch nur an die regelmäßige Fütterung des Weibchens, welches dann das
Futter an die Jungen weitergibt. Wenn man dieses alles beherzigt, so
erscheint die Zucht doch verhältnismäßig leicht zu gelingen. Anfängern
kann ich unter diesen Voraussetzungen die Hänflingszucht nur empfehlen.
Es wäre schade, wenn nicht nur ein guter heimischer Sänger, sondern auch
ein farblich durchaus sehenswerter Vogel, in unseren Volieren mehr und
mehr seinen Platz verliert.
 |
BECHSTEIN, J.M.
(1797) Naturgeschichte der Stubenvögel |
 |
BERZ, J. (1978)
Aufzuchtserlebnis mit Hänflingen. Gefiederte Welt 102:207-209. |
 |
BEZZEL, E.
(1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Singvögel, Aula,
Wiesbaden. |
 |
BOSSELMANN, J. u.
A. (1998): Die Vogelwelt in RLP, Singvögel, NABU, Mainz. |
 |
DOST, H. (1954)
Handbuch. Leipzig |
 |
GASSMANN, H.
(1989, 1990) Biologie und Ökologie des Hänflings. Die Voliere 12:324
+ 13:17. |
 |
GIEBING, M.
(1995) Der Hänfling. Sonderheft VDW-NW, Oberhausen. |
 |
NICOLAI; J:
(1982): Fotoatlas der Vögel, Gräfe und Unzer, München |
 |
RHEINWALD, G.
(1965): Unsere schöne Vogelwelt, Lingen Köln. |
 |
SCHAAF, F. (1973)
Zur Brutbiologie des Hänflings. Gefiederte Welt 97:34-35. |
 |
WOLTERS, H.E.
(1975-1987): Die Vogelarten der Erde. Berlin |
 |