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Der Habicht -
schönster heimischer  Greifvogel
 


Dagmar Schröter:  Habicht

Allgemeines

Systematik

Merkmale, Lebensweise

Beuteerwerb, Nahrung

Lebensraum

Fortpflanzung
Balz, Paarung
Horst
Ei, Gelege
Schlupf, Aufzucht

In Menschenobhut

Fehlein-schätzung

Ausklang

Literatur

Monica-Schwarz: Habichtauge
Monica Schwarz: Habichtauge, 2000
Größe 43cm x 58cm, Pastellkreide auf Velin-Zeichenpapier

Allgemeines

Die Übersetzung seines wissenschaftlichen Namens lautet »Edler Greifer«. Ist heutzutage der Name Habicht allgemein gebräuchlich, so nannte man ihn früher noch Hühnerhabicht, Stößer, Doppelsperber oder Stoßvogel.
In der Falknerei werden Habichte besonders gern als Beizvögel eingesetzt und sie besteht in unveränderter Weise seit über 1000 Jahren. Er schlägt auch nicht wie die anderen Arten die hoch aus der Luft im schnellen Flug ihre Beute fangen und daher im offenem Gelände eingesetzt werden, sondern er jagt im unübersichtlichen Gebieten, ja sogar im Wald.

Der Habicht ist einer der größten europäischen Greifvögel, natürlich ausgenommen die Adler und die südeuropäischen Geier.

Im Orient sagt man:
Der Habicht hat Federn wie Seide,
Krallen wie Stahl und
Augen wie Feuer.

Systematik

Nach WOLTERS  (1975-1982):

Familie Accipitridae Greife
Unterfamilie Accipitrinae Eigentliche Greife
Art Accipit gentilis
(L., 1758)
HABICHT
(Hühnerhabicht)
Unterarten Buteoides, atricapillus  

Merkmale, Lebensweise

Wer nicht ganz so versiert ist oder oberflächlich hinsieht, könnte ihn von der Größe her mit dem Bussard verwechseln, nur wirkt der Habicht insgesamt schlanker. Dagegen unterscheidet er sich im Flugbild vom Bussard durch den viel längeren Schwanz und die kürzeren abgerundeten Flügel. Der Habicht mit seinen bräunlichen Längsstreifen, gleicht einem übergroßen Sperber, welcher Querstreifen auf der fast weißen Brust trägt.

Die Größenunterschiede zwischen Männchen und Weibchen sind bei keinem heimischen Greifvogel so ausgeprägt wie beim Habicht.  Mit knapp 700 Gramm erreicht ein Männchen nur etwa zwei Drittel des Körpergewichts vom Weibchen, welches etwa 1100 Gramm wiegt.
Der älteste wildlebende Habicht erreichte in freier Wildbahn ein Alter von 19 Jahren, während in Menschenobhut bisher 20 Jahre erreicht wurden. Eine Ausnahme macht der Terzel Fips von Herrn Thilo Henckell mit 24 Jahren, welcher bis fast in diesem Alter Nachwuchs produzierte.

Beuteerwerb, Nahrung

Der Sinn dieses enormen Größenunterschiedes hängt mit der Lebensweise des Habichts zusammen. Da seine Nahrung hauptsächlich aus Vögel besteht, ist es nicht leicht, sich diese das ganze Jahr über zu besorgen. Auf seiner Jagd kann er zwar ein hohes Tempo entwickeln, aber dieses nicht lange durchhalten, deshalb ist er auf den Überraschungsangriff angewiesen. Gewandt umfliegt er enge Hindernisse und nutzt dabei jede Deckung wenn er über den Boden niedrig seine Beute anfliegt. Er stürzt sich in einen Vogelschwarm und verfolgt dann einen der nach allen Seiten ausbrechenden Vögel. Selbst im Nest oder auf einem Ast sitzende Vögel werden im Überraschungsangriff geschlagen. Natürlich lauert er auch von einem versteckten Ansitz aus auf Beute. Die Säugetierjagd kann geruhsamer im langsamen Suchflug vorgenommen werden, welchen aber dann der Überraschungsangriff folgt.

Die kurzen, runden Flügel gestatten einen raschen wendigen Flug, wobei der lange Schwanz als Steuer dient.
Was der Habicht einmal gepackt hat lässt er nicht mehr los. So wurde schon mancher Habicht der im Hühnerauslauf einen Hahn gegriffen hat vom  Bauer mit einer Forke erschlagen. Forst- und Jagdleute erzählen, dass sie den Habicht als Reiter auf einen flüchtigen Hasen gesehen haben.

Damit Männchen und Weibchen nicht bei der Jagd in Konkurrenz geraten, sind die Zuständigkeiten aufgeteilt. Durch die kleinere Körpergröße bedingt, bevorzugt das Männchen kleinere Tiere bis zur Amsel- bzw. Taubengröße, das Weibchen dagegen ist in der Lage Beutetiere bis zur Kaninchengröße zu jagen. Die Zusammensetzung der Beute richtet sich nach dem örtlichen Angebot und kann aus einer kleinen Maus oder einem kleinen Vogel bis zum Fasan, Rebhuhn oder Kaninchen, bestehen. Ganz selten versucht das Weibchen auch einen Hasen oder ein Huhn zu schlagen. Besonders bevorzugt sind Eichelhäher, Elstern, Rabenkrähen, Stare, Drosseln und Haustauben. Von Bedeutung ist, dass Habichte, sind sie in ausreichender Zahl vorhanden, die Populationendichte von Elstern und Rabenkrähen begrenzen können.

Lebensraum

Der Habicht bevorzugt einen abwechslungsreichen Lebensraum. Als Brutbiotop braucht er reich gegliederte große Wälder mit Lichtungen und Schneisen. Bei Felder die zu seinem Jagdgebiet gehören, beschützt er Hecken oder Büsche, um Deckung zu finden.

Fortpflanzung

Der Habicht wird gewöhnlich  im 1. Lebensjahres geschlechtsreif, kann aber schon vor Ablauf des Jahres brüten. Etwa 22% brüten im 1., 27% im 2. und 51% brüten erstmals im 3. Lebensjahr. Sie führen eine monogame lebenslange Ehe.


Dagmar Schröter:  Habicht

Balz, Paarung

Im Frühjahr zur Balzzeit finden eindrucksvolle Schauflüge mit Wellenbewegungen in großer Höhe und Überschneidungen der eigenen Flugbahn statt. Hierbei werden vom Männchen, auch Terzel genannt, die weißen Unterschwanzdecken gespreizt und von beiden Partnern kurze Rufe, ähnlich dem Bussard, ausgestoßen. Sturzflüge von mehreren hundert Metern sind nicht selten. Die Schauflüge des Paares und ihre Rufe dienen aber nicht nur der Balz, sondern es zeigt den Artgenossen an, dass dieses Jagd- und Brutgebiet vergeben, also besetzt ist.

Das paarungswillige Weibchen zeigt die Bereitschaft mit straff angelegtem Gefieder, gesträubten Unterschwanzdecken (auch Bruck oder Flagge genannt) und horizontalem Körper. Hierbei sind die Schwingen hoch und locker angewinkelt. Weiterhin ist der Stoß zur Seite geneigt. Die  Kopulationen finden meist auf einem starken Ast in der Nähe des Horstes oder auch seltener auf dem Horstrand statt.


Dagmar Schröter: Habicht

Horst

Sie behalten ihr Revier lebenslang, wobei aber der Horststandort jährlich wechseln kann. Jedes Habichtspaar besitzt sogenannte Wechselhorste, woraus das Weibchen das jährliche Brutnest festlegt. Es wurden schon bis 8 Stück in einem Revier gezählt. Gelegentlich verwenden sie  Nester von anderen Vogelarten wie Bussard oder Milan. So fand man in der Nähe von Leipzig einen Horst, der mit einem jungen Mäusebussard und zwei jungen Habichten besetzt war. Offenbar war der Horst zuerst vom Mäusebussard besetzt worden, aber nach Ablage des ersten Eies wurde er von Habichten in Besitz genommen und noch zwei Eier hinzugelegt. Die ausgebrüteten Jungen wurden von den Habichten aufgezogen. Während der Brutzeit sind in Horstnähe die hellen, kicherartigen »Gügügü....«-Rufe des Männchens besonders oft zu hören.

Das Paar baut den Horst gemeinsam in alten und hohen Bäumen bis in einer Höhe von 20 m und mehr. Wichtig ist eine Anflugschneise. Meist steht der Horst in Stammnähe und oft ausgezeichnet versteckt. Gefertigt wird er aus abgestorbenen Ästen und dürren Knüppeln. Es kann ein gewaltiges Bauwerk von 1 m Durchmesser und Höhe werden. Der Innenausbau findet mit feineren Zweigen statt. Es können auch Kiefernnadeln oder Kiefernspiegelrindenstückchen eingetragen werden. Immer wird aber während der gesamten Brutzeit der Horst mit grünen Zweigen ausgeschmückt, gleich ob von Nadel- oder Laubbäumen.

Ei, Gelege

Das Weibchen legt in Abständen von 2 bis 3 Tagen die 3 bis 4 ovalen Eier, deren Grundfarbe bläulich- oder grünlichweiß ist. Sie sind 50 x 44 mm groß. Es brütet  das Weibchen  allein 35 - 41 Tage, das Männchen könnte ja das Gelege mit seinem kleinen Körper gar nicht abdecken.  Es versorgt aber während dieser Zeit sein Weibchen, welches ja durch den Wechsel der Schwungfedern an den Horst gebunden ist, mit Nahrung. Hier wird der hauptsächliche Sinn der Arbeitsteilung deutlich.

Schlupf, Aufzucht

Die Jungvögel schlüpfen nicht gleichzeitig und die zuletzt geschlüpften fallen manchmal, besonders bei Nahrungsmangel, ihren größeren Geschwistern zum Opfer. Die Jungvögel reagieren auf die rote Farbe der Fleischstücke, welche das Weibchen einfach nur hinhält und sie schnappen danach. Das stärkste und schnellste Junge erhält so am meisten.

Die geschlüpften Jungvögel tragen ein kurzes seidiges, oberseits dichtes, unterseits schütteres weißes Dunenkleid. Im Gegensatz zu vielen anderen Nesthockern sind die Jungen bei der Geburt sehend. Nach 7 bis 16 Tagen bildet sich das 2. Dunenkleid. Es ist dichter und grau. Die Wachshaut und die Füße sind gelb. Die Iris dagegen grau.

Die Aufzucht geht normalerweise in störungsfreien Revieren ohne Komplikationen vonstatten. Bei starken Störungen kann im Einzelfall, in den ersten Tagen nach dem Schlupf, eine "Umlagerung" erfolgen. Das Weibchen trägt die Jungen dann in einen der so genannten Wechselhorste und zieht sie dort auf.

In den ersten 8 - 10 Tagen hudert und füttert das Weibchen. Da aber mit zunehmenden Alter der Jungen der Bedarf an Nahrung steigt, geht das Weibchen mehr und mehr mit zur Jagd. Sollte in den ersten 9 Tagen das Weibchen verloren gehen, so müssen die Jungen verhungern. Das Männchen bringt zwar Nahrung, aber die Jungen können erst ab dem 10. Tag kröpfen. Nach etwa 40 Tagen verlassen die Jungen das Nest und bewegen sich als Ästlinge in der Horstumgebung. Ihre lauten Bettelrufe sind dann bis zu 500 m weit zu hören. Ein bis zwei Tage später fliegen sie. Ab dem 50. Tag lischt die Bindung zum Horst. Nun versuchen sie schon zu jagen, sind aber erst mit dem 70. Tag selbständig.

Der Beutebedarf einer mittelgroßen Habichtsfamilie während der Nestlingszeit liegt bei etwa 50 bis 60 kg und bis zum Selbständigwerden der Jungen bei etwa 70 kg.
Jetzt ist die Zeit für das Männchen gekommen, allmählich seine Schwung- und Steuerfedern zu wechseln, da es ja seine Aufgaben der Familie gegenüber erfüllt hat.

Man sieht also, die unterschiedliche Größe der Geschlechter, ist durch die aufgeteilte Arbeit während der Brutzeit bedingt.

In Menschenobhut

Der Habicht ist relativ häufig in Menschenobhut anzutreffen. Er ist ein beliebter Beizvogel. Seine Beschaffung kann nur aus gezüchteten Beständen erfolgen. Da der Habicht charakteristisch schon als sehr nervös, unruhig und schwer in einer Voliere zu haltende Art ist, so sind nur völlig abgeschirmte Volieren an abgelegener Stelle für die Zucht nötig. Trotzdem aber ist ein falknerisches Abtragen vor der Zucht günstig und zu empfehlen. Seine Haltung sollte paarweise erfolgen. Die Zucht ist schon oft in Menschenobhut gelungen.
Als Schauvogel in Volieren von Vogelparks, Zoos oder ähnlichem ist er vom Verhalten her schon nicht sehr geeignet.

Fehleinschätzung

Sie brachte den Habicht in große Gefahr. Allgemein glaubte man, dass wenn keine Feinde des Habichts, wie Uhu und Seeadler mehr da sind, doch der Mensch >regulieren< müsste und zwar durch Abschuss oder Fangen. Dabei wird der Bestand des Habichts durch die vorhandenen Tiere, welche wichtig für seine Ernährung sind reguliert. Das heißt, es können nur soviel Habichte in einem Gebiet leben, wie Beutetiere vorhanden sind um sie auf Dauer zu ernähren. Kommt auch noch erschwerend hinzu, die fehlenden, geeigneten Wälder für die ungestörte Aufzucht der Jungen.
Als 1970 die Bestände des Habichts gefährlich gesunken waren, so dass das Aussterben des Habichts, wie auch anderer Greifvögel, zu befürchten war, wurden verschiedene Pestizide, unter anderem das  gefährliche DDT verboten. Es hatte den Greifvögeln, insbesondere den Habicht sehr geschadet, weil ja alle seine Beutetiere mit DDT belastet waren. Weiterhin wurde für den Habicht ganzjährig Schonzeit eingeführt. Zum Teil passte sich der Habicht an, weil er die Nähe des Menschen suchte und siedelte sich in den Parks der Städte an, um dort zu jagen und zu brüten.

Ausklang

Wir haben wieder in Deutschland etwa 12.000 Brutpaare. Diese sollten reichen um die Populationen zu stärken und zu festigen. Wir haben ihm den Weg geebnet, das heißt er ist ganzjährig durch die Gesetze geschützt, er ist uns entgegen gekommen und nistet in städtischen Gefilden. Trotz allen Schutzes werden mancherorts die Habichte immer noch seltener. Die Ursachen dafür mögen sein, die überall vom Menschen aufgeräumten Felder und Ackerfluren und weiterhin der Einsatz hochgiftiger Spritzmittel. Die Folge ist, dass die Beutetiere vieler Fleischfresser seltener werden, dadurch lichtet sich die Zahl der Habichte und anderer Greifvögel, da sie immer weniger Nahrung finden. Damit er weiterhin auch eine Chance hat, sollten wir versuchen die Verursacher aufzuklären, wie gefährlich diese Gifte sind.

Literatur

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BEZZEL, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nichtsingvögel, Aula-Verlag, Wiesbaden.

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BRÜLL, H. (o. J.): Greifvögel und Eulen, Lehrmeister 330, Minden.

bullet

FISCHER, W. (1983): Habichte, NBB Bd 158.

bullet

GLUTZ v. B. (1989):  Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd.4.

bullet

KRAMER, V. (1955): Habicht und Sperber, NBB 158.

bullet

MEBS, Th. (1994): Greifvögel Europas, Stuttgart

bullet

PIELOWSKI; Z. (1993): Die Greifvögel, Neumann-Neudamm.

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WOLTERS, H. E. (1975-1982): Die Vogelarten der Erde, Berlin.


 

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Dagmar Schröter:  Habicht


Dagmar Schröter:  Habicht


Dagmar Schröter:  Habicht

 

Systematik:

Nach WOLTERS (1975-1983) ergibt sich folgende Einordnung in das zoologische System:

Familie
Accipitridae
Greife

Unterfamilie
Accipitrinae
Eigentliche Greife

Art
Accipit gentilis
(L., 1758)

HABICHT
(Hühnerhabicht)

Unterarten:
Buteoides, atricapillus


Dagmar Schröter:  Habicht
 

Verbreitung / Lebensraum:

Verbreitet im Mischwald Verbreitet im Nadelwald Verbreitet im Laubwald   


Brutvogel, der nur im Sommer anwesend ist Ganzjährig anwesender Vogel Wintergast Selten oder kein Vorkommen 


nicht zu beobachten recht häufig zu beobachten am häufigsten zu beobachten

 
Links zum Thema



Greifvogelauffangstation Hagard


http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/
001/00034/HWG00034.html


http://www.berufsjaeger-bayern.de/habicht/


http://www.falknerei-harpy.de


BEIZjagd.de - Habicht schlägt Kanin - Fotoserie


Jadu: Der Habicht

 

Literatur-Tipps


08103661z.jpg
Greifvögel und Falknerei 1998:
Jahrbuch des Deutschen Falkenordens. 1999.
192 S. m. meist farb. Abb. 24 cm. Gebunden. 507gr.
ISBN: 3-7888-0732-6, KNO-NR: 08 10 36 61
-NEUMANN-NEUDAMM-


HGON:
Avifauna von Hessen
Band 3
Ringb, F:20x26 cm (Blattformat 16x24 cm), 600 S., D 1997

Deutscher Rat für Vogelschutz (Hrsg.):
Berichte zum Vogelschutz

Heft 26 
Kart, F:16,5x23,5 cm, 114 S. D 1987

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