Wer nicht ganz so versiert ist oder
oberflächlich hinsieht, könnte ihn von der Größe her mit dem Bussard
verwechseln, nur wirkt der Habicht insgesamt schlanker. Dagegen
unterscheidet er sich im Flugbild vom Bussard durch den viel längeren
Schwanz und die kürzeren abgerundeten Flügel. Der Habicht mit seinen
bräunlichen Längsstreifen, gleicht einem übergroßen Sperber, welcher
Querstreifen auf der fast weißen Brust trägt.
Die Größenunterschiede zwischen Männchen
und Weibchen sind bei keinem heimischen Greifvogel so ausgeprägt wie beim
Habicht. Mit knapp 700 Gramm erreicht ein Männchen nur etwa zwei Drittel
des Körpergewichts vom Weibchen, welches etwa 1100 Gramm wiegt.
Der älteste wildlebende Habicht erreichte in freier Wildbahn ein Alter von
19 Jahren, während in Menschenobhut bisher 20 Jahre erreicht wurden. Eine
Ausnahme macht der Terzel Fips von Herrn Thilo Henckell mit 24 Jahren,
welcher bis fast in diesem Alter Nachwuchs produzierte.
Der Sinn dieses enormen
Größenunterschiedes hängt mit der Lebensweise des Habichts zusammen. Da
seine Nahrung hauptsächlich aus Vögel besteht, ist es nicht leicht, sich
diese das ganze Jahr über zu besorgen. Auf seiner Jagd kann er zwar ein
hohes Tempo entwickeln, aber dieses nicht lange durchhalten, deshalb ist er
auf den Überraschungsangriff angewiesen. Gewandt umfliegt er enge
Hindernisse und nutzt dabei jede Deckung wenn er über den Boden niedrig
seine Beute anfliegt. Er stürzt sich in einen Vogelschwarm und verfolgt dann
einen der nach allen Seiten ausbrechenden Vögel. Selbst im Nest oder auf
einem Ast sitzende Vögel werden im Überraschungsangriff geschlagen.
Natürlich lauert er auch von einem versteckten Ansitz aus auf Beute. Die
Säugetierjagd kann geruhsamer im langsamen Suchflug vorgenommen werden,
welchen aber dann der Überraschungsangriff folgt.
Die kurzen, runden Flügel gestatten einen
raschen wendigen Flug, wobei der lange Schwanz als Steuer dient.
Was der Habicht einmal gepackt hat lässt er nicht mehr los. So wurde schon
mancher Habicht der im Hühnerauslauf einen Hahn gegriffen hat vom Bauer mit
einer Forke erschlagen. Forst- und Jagdleute erzählen, dass sie den Habicht
als Reiter auf einen flüchtigen Hasen gesehen haben.
Damit Männchen und Weibchen nicht bei der
Jagd in Konkurrenz geraten, sind die Zuständigkeiten aufgeteilt. Durch die
kleinere Körpergröße bedingt, bevorzugt das Männchen kleinere Tiere bis zur
Amsel- bzw. Taubengröße, das Weibchen dagegen ist in der Lage Beutetiere bis
zur Kaninchengröße zu jagen. Die Zusammensetzung der Beute richtet sich nach
dem örtlichen Angebot und kann aus einer kleinen Maus oder einem kleinen
Vogel bis zum Fasan, Rebhuhn oder Kaninchen, bestehen. Ganz selten versucht
das Weibchen auch einen Hasen oder ein Huhn zu schlagen. Besonders bevorzugt
sind Eichelhäher, Elstern, Rabenkrähen, Stare, Drosseln und Haustauben. Von
Bedeutung ist, dass Habichte, sind sie in ausreichender Zahl vorhanden, die
Populationendichte von Elstern und Rabenkrähen begrenzen können.
Der Habicht bevorzugt einen
abwechslungsreichen Lebensraum. Als Brutbiotop braucht er reich gegliederte
große Wälder mit Lichtungen und Schneisen. Bei Felder die zu seinem
Jagdgebiet gehören, beschützt er Hecken oder Büsche, um Deckung zu finden.
Der Habicht wird gewöhnlich im 1.
Lebensjahres geschlechtsreif, kann aber schon vor Ablauf des Jahres brüten.
Etwa 22% brüten im 1., 27% im 2. und 51% brüten erstmals im 3. Lebensjahr.
Sie führen eine monogame lebenslange Ehe.

Dagmar Schröter: Habicht
Im Frühjahr zur Balzzeit finden
eindrucksvolle Schauflüge mit Wellenbewegungen in großer Höhe und
Überschneidungen der eigenen Flugbahn statt. Hierbei werden vom Männchen,
auch Terzel genannt, die weißen Unterschwanzdecken gespreizt und von beiden
Partnern kurze Rufe, ähnlich dem Bussard, ausgestoßen. Sturzflüge von
mehreren hundert Metern sind nicht selten. Die Schauflüge des Paares und
ihre Rufe dienen aber nicht nur der Balz, sondern es zeigt den Artgenossen
an, dass dieses Jagd- und Brutgebiet vergeben, also besetzt ist.
Das paarungswillige Weibchen zeigt die
Bereitschaft mit straff angelegtem Gefieder, gesträubten Unterschwanzdecken
(auch Bruck oder Flagge genannt) und horizontalem Körper. Hierbei sind die
Schwingen hoch und locker angewinkelt. Weiterhin ist der Stoß zur Seite
geneigt. Die Kopulationen finden meist auf einem starken Ast in der Nähe
des Horstes oder auch seltener auf dem Horstrand statt.

Dagmar
Schröter: Habicht
Sie behalten ihr Revier lebenslang, wobei
aber der Horststandort jährlich wechseln kann. Jedes Habichtspaar besitzt
sogenannte Wechselhorste, woraus das Weibchen das jährliche Brutnest
festlegt. Es wurden schon bis 8 Stück in einem Revier gezählt. Gelegentlich
verwenden sie Nester von anderen Vogelarten wie Bussard oder Milan. So fand
man in der Nähe von Leipzig einen Horst, der mit einem jungen Mäusebussard
und zwei jungen Habichten besetzt war. Offenbar war der Horst zuerst vom
Mäusebussard besetzt worden, aber nach Ablage des ersten Eies wurde er von
Habichten in Besitz genommen und noch zwei Eier hinzugelegt. Die
ausgebrüteten Jungen wurden von den Habichten aufgezogen. Während der
Brutzeit sind in Horstnähe die hellen, kicherartigen »Gügügü....«-Rufe des
Männchens besonders oft zu hören.
Das Paar baut den Horst gemeinsam in alten
und hohen Bäumen bis in einer Höhe von 20 m und mehr. Wichtig ist eine
Anflugschneise. Meist steht der Horst in Stammnähe und oft ausgezeichnet
versteckt. Gefertigt wird er aus abgestorbenen Ästen und dürren Knüppeln. Es
kann ein gewaltiges Bauwerk von 1 m Durchmesser und Höhe werden. Der
Innenausbau findet mit feineren Zweigen statt. Es können auch Kiefernnadeln
oder Kiefernspiegelrindenstückchen eingetragen werden. Immer wird aber
während der gesamten Brutzeit der Horst mit grünen Zweigen ausgeschmückt,
gleich ob von Nadel- oder Laubbäumen.
Das Weibchen legt in Abständen von 2 bis 3
Tagen die 3 bis 4 ovalen Eier, deren Grundfarbe bläulich- oder grünlichweiß
ist. Sie sind 50 x 44 mm groß. Es brütet das Weibchen allein 35 - 41 Tage,
das Männchen könnte ja das Gelege mit seinem kleinen Körper gar nicht
abdecken. Es versorgt aber während dieser Zeit sein Weibchen, welches ja
durch den Wechsel der Schwungfedern an den Horst gebunden ist, mit Nahrung.
Hier wird der hauptsächliche Sinn der Arbeitsteilung deutlich.
Die Jungvögel schlüpfen nicht gleichzeitig
und die zuletzt geschlüpften fallen manchmal, besonders bei Nahrungsmangel,
ihren größeren Geschwistern zum Opfer. Die Jungvögel reagieren auf die rote
Farbe der Fleischstücke, welche das Weibchen einfach nur hinhält und sie
schnappen danach. Das stärkste und schnellste Junge erhält so am meisten.
Die geschlüpften Jungvögel tragen ein
kurzes seidiges, oberseits dichtes, unterseits schütteres weißes Dunenkleid.
Im Gegensatz zu vielen anderen Nesthockern sind die Jungen bei der Geburt
sehend. Nach 7 bis 16 Tagen bildet sich das 2. Dunenkleid. Es ist dichter
und grau. Die Wachshaut und die Füße sind gelb. Die Iris dagegen grau.
Die Aufzucht geht normalerweise in
störungsfreien Revieren ohne Komplikationen vonstatten. Bei starken
Störungen kann im Einzelfall, in den ersten Tagen nach dem Schlupf, eine
"Umlagerung" erfolgen. Das Weibchen trägt die Jungen dann in einen der so
genannten Wechselhorste und zieht sie dort auf.
In den ersten 8 - 10 Tagen hudert und
füttert das Weibchen. Da aber mit zunehmenden Alter der Jungen der Bedarf an
Nahrung steigt, geht das Weibchen mehr und mehr mit zur Jagd. Sollte in den
ersten 9 Tagen das Weibchen verloren gehen, so müssen die Jungen verhungern.
Das Männchen bringt zwar Nahrung, aber die Jungen können erst ab dem 10. Tag
kröpfen. Nach etwa 40 Tagen verlassen die Jungen das Nest und bewegen sich
als Ästlinge in der Horstumgebung. Ihre lauten Bettelrufe sind dann bis zu
500 m weit zu hören. Ein bis zwei Tage später fliegen sie. Ab dem 50. Tag
lischt die Bindung zum Horst. Nun versuchen sie schon zu jagen, sind aber
erst mit dem 70. Tag selbständig.
Der Beutebedarf einer mittelgroßen
Habichtsfamilie während der Nestlingszeit liegt bei etwa 50 bis 60 kg und
bis zum Selbständigwerden der Jungen bei etwa 70 kg.
Jetzt ist die Zeit für das Männchen gekommen, allmählich seine Schwung- und
Steuerfedern zu wechseln, da es ja seine Aufgaben der Familie gegenüber
erfüllt hat.
Man sieht also, die unterschiedliche Größe
der Geschlechter, ist durch die aufgeteilte Arbeit während der Brutzeit
bedingt.
Der Habicht ist relativ häufig in
Menschenobhut anzutreffen. Er ist ein beliebter Beizvogel. Seine Beschaffung
kann nur aus gezüchteten Beständen erfolgen. Da der Habicht charakteristisch
schon als sehr nervös, unruhig und schwer in einer Voliere zu haltende Art
ist, so sind nur völlig abgeschirmte Volieren an abgelegener Stelle für die
Zucht nötig. Trotzdem aber ist ein falknerisches Abtragen vor der Zucht
günstig und zu empfehlen. Seine Haltung sollte paarweise erfolgen. Die Zucht
ist schon oft in Menschenobhut gelungen.
Als Schauvogel in Volieren von Vogelparks, Zoos oder ähnlichem ist er vom
Verhalten her schon nicht sehr geeignet.
Sie brachte den Habicht in große Gefahr.
Allgemein glaubte man, dass wenn keine Feinde des Habichts, wie Uhu und
Seeadler mehr da sind, doch der Mensch >regulieren< müsste und zwar durch
Abschuss oder Fangen. Dabei wird der Bestand des Habichts durch die
vorhandenen Tiere, welche wichtig für seine Ernährung sind reguliert. Das
heißt, es können nur soviel Habichte in einem Gebiet leben, wie Beutetiere
vorhanden sind um sie auf Dauer zu ernähren. Kommt auch noch erschwerend
hinzu, die fehlenden, geeigneten Wälder für die ungestörte Aufzucht der
Jungen.
Als 1970 die Bestände des Habichts gefährlich gesunken waren, so dass das
Aussterben des Habichts, wie auch anderer Greifvögel, zu befürchten war,
wurden verschiedene Pestizide, unter anderem das gefährliche DDT verboten.
Es hatte den Greifvögeln, insbesondere den Habicht sehr geschadet, weil ja
alle seine Beutetiere mit DDT belastet waren. Weiterhin wurde für den
Habicht ganzjährig Schonzeit eingeführt. Zum Teil passte sich der Habicht
an, weil er die Nähe des Menschen suchte und siedelte sich in den Parks der
Städte an, um dort zu jagen und zu brüten.
Wir haben wieder in Deutschland etwa 12.000
Brutpaare. Diese sollten reichen um die Populationen zu stärken und zu
festigen. Wir haben ihm den Weg geebnet, das heißt er ist ganzjährig durch
die Gesetze geschützt, er ist uns entgegen gekommen und nistet in
städtischen Gefilden. Trotz allen Schutzes werden mancherorts die Habichte
immer noch seltener. Die Ursachen dafür mögen sein, die überall vom Menschen
aufgeräumten Felder und Ackerfluren und weiterhin der Einsatz hochgiftiger
Spritzmittel. Die Folge ist, dass die Beutetiere vieler Fleischfresser
seltener werden, dadurch lichtet sich die Zahl der Habichte und anderer
Greifvögel, da sie immer weniger Nahrung finden. Damit er weiterhin auch
eine Chance hat, sollten wir versuchen die Verursacher aufzuklären, wie
gefährlich diese Gifte sind.
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BEZZEL, E. (1985): Kompendium
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NBB Bd 158. |
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