Die Verbreitung des
Graureihers wurde nur grob angedeutet um die Größe seines Lebensraumes
aufzuzeigen.
cinerea: Die
Nominatform bewohnt als Brutvogel Eurasien von Irland und den Orkneyinseln
ostwärts und fehlt lediglich in Island, Nordskandinavien, Nordfinnlands und
Teile der ehemaligen GUS. Bei uns in Mitteleuropa ist die Nominatform
Ardea cinerea cinerea vertreten.
jouyi: Diese
Unterart bewohnt China, Japan, Thailand und Indien.
monicae: Sie
ist in Teilen von Afrika, wie Marokko, Algerien und Tunesien zuhause
und ist auch im übrigem Afrika zu finden, aber schlecht von Zugvögeln zu
trennen.
firasa: Bewohnt
Madagaskar.
Er liebt stehende und
fließende Gewässer, ganz gleich ob Brack- oder Salzwasser. Wichtig ist nur,
dass sie seicht und nicht vollkommen verkrautet sind. Da er sich anpasst,
zum Beispiel in starken Mäusejahren, oder im Süden die Heuschreckenschwärme,
verzichtet er sogar auf Wasser. So ist er in den letzten Jahren auch in
Parks der Großstädte zu finden. So haben sie sich auch schon in Zoos
angesiedelt. Graureiher sind Teilzieher, welche schon vor der Schneeschmelze
in ihren Brutrevieren erscheinen und nach der Brut abziehen. Besonders die
Jungvögel unternehmen nach ihrer Selbständigkeit weite Wanderungen. Im
Herbst und Winter sind zurückgebliebene Graureiher auch auf abgeernteten
Kornfeldern oder Wiesen futtersuchend anzutreffen. Ist der Winter hart, so
sind unter ihnen große Verluste zu erwarten, wenn sie nicht verspätet
wegziehen.
Der Graureiher ist mit seinen
91 cm nur knapp storchengroß. Der gelbliche Schnabel färbt sich im Frühjahr
orange ebenso die graubraunen Beine. Vom Auge bis zum Hinterkopf endet ein
schwarzer Streif in zwei langen Nackenfedern . Von der grauen Oberseite
heben sich die schwarzen Arm- und Handschwingen ab. Der Hals ist
weißlichgrau und vorne schwarzgestrichelt. Unterseits ist er weißlich und
seine Flanken sind stahlgrau. Die Geschlechter gleichen sich. Zwar sind
Weibchen etwas kleiner und schwächer und oft blasser gefärbt, aber
feldornithologisch nicht zu unterscheiden. Den Jungvögeln fehlen die
Nackenfedern und ihr Gefieder ist dunkler. Graureiher tragen im Flug einen
eingezogenen s-förmigen Hals, welcher nur beim Greifvogelangriff,
ausgestreckt wird. Sie fliegen langsam mit weitausholenden Flügelschlägen.
Die Beine sind beim Flug langgestreckt. Sie waten schleichend im
Seichtwasser oder lauern mit eingezogenem Hals auf Beute. Der Schutz des
Gefieders vor dem Durchnässen, ist für den Graureiher besonders wichtig. Nun
ist seine Bürzeldrüse fast verkümmert und für ihn mit dem Schnabel nur
schwer erreichbar. Diese Aufgabe erfüllen die sogenannten Puderdunenfelder.
Sie zerfallen allmählich zu feinem Staub und werden statt Fett zur
Gefiederpflege genommen.
Graureiher sind tag- und
dämmerungsaktiv, sie können aber auch nachts jagen.
Die Stimme des Graureihers
klingt rau. Nur vom Männchen ist der Werbungsruf ein dumpfes »Rwo« zu hören.
Gedroht wird »Go-o-o« hauptsächlich in der Kolonie. Der am häufigsten zu
hörende Flugruf lautet »Kraik« oder »Krai«. Die Jungen fangen bald nach
dem Schlüpfen an zu »Kekkern«, welches mit zunehmenden Alter immer lauter
und rauer wird. Die Begrüßung der ankommenden Partner, bzw. von Jung- und
Altvögeln, in der Brutkolonie macht einen ziemlichen Lärm.
Fischreiher werden regelmäßig in Zoos und Vogelparks,
seltener von Privatliebhabern gehalten. Die Eingewöhnung macht keine
Probleme, da die Reiher meist sehr ruhig und weniger schreckhaft sind. Es
empfiehlt sich jedenfalls eine Koloniehaltung und das in Freianlagen oder
Volieren. Voraussetzung ist in jedem Falle es stehen Bäume und Sträucher für
sie bereit. Bei uns können sie im Freien gehalten werden wenn ihnen im
Winter ein Schutzraum zur Verfügung steht. Am besten gibt man ihnen dann das
Futter mehrmals täglich damit es nicht gefriert.
Beim Futter sind sie nicht all zu wählerisch, wenn neben dem Futternapf auch
ein Napf mit Wasser vorhanden ist, in dem sie teilweise ihr Futter
einweichen damit es besser rutscht.
Verfüttern kann man neben Fisch auch in Streifen geschnittenes Fleisch, auch
tote Eintagsküken.
Für die Zucht bietet man ihnen flache Körbe als Nisthilfe an und sie werden
auch gerne angenommen.
In Nähe des Reihers sollte der Pfleger sich nicht allzu sorglos bewegen, da
er aus heiterem Himmel oder aus einer Laune heraus plötzlich mit dem spitzen
Schnabel einen Hieb ins Gesicht bekommen kann.
Graureiher werden meistens im 2., seltener schon im 1. Lebensjahr
geschlechtsreif.
Sie führen eine monogame Saisonehe. Die Brut erfolgt vorwiegend kolonieweise,
welche abhängig ist von den Nistplätzen und selbstverständlich vom Menschen
und auch vom Nahrungsangebot. Die Nahrung muss aber mindestens im Umkreis
von 20 - 25 km zu finden sein. Die Kolonie besteht nicht nur aus
Graureihern, sondern es können andere Reiher, oder Kormorane, aber auch
Saatkrähen und oft sogar einzelne Greifvogelpaare dort vorhanden sein. In
solch einer Kolonie gibt es Zu- und Abgänge: Lässt man die Reiher gewähren,
so nimmt die Kolonie zu, stört man die Reiher, so wird sie kleiner. Es gibt
Kolonien, die seit Jahrzehnten, ja sogar seit Jahrhunderten bestehen.
Im Februar / März stellen
sich zuerst die Männchen ein. Es wird der alte Horst besetzt. Lässt sich nun
ein paarungsbereites Weibchen im Bereich des Männchens sehen, so laufen
verschiedene Imponierhaltungen ab, wie zum Beispiel Drohen oder
Schnabelgefechte. Sind sich beide näher gekommen, wenn zum Beispiel einer
den anderen krault, oder wenn Zweige des Horstes geordnet werden, ist die
Paarbildung vollzogen und es erfolgt die Begattung. Das Weibchen hockt sich
mit angehobenem Hinterleib und vorgestrecktem Hals hin, während das Männchen
sich auf das Weibchen hockt. Es fasst dann das Nackengefieder und senkt den
Hinterleib. Flügelschlagend wird nun die Begattung vollzogen. Bei manchen
Reihern färbt sich hierbei die Iris dunkel und auch der Oberschnabel wird
orange. So kam es früher zu der irrigen Ansicht, dass die Reiher sich nur
widerwillig paaren und demzufolge das Blut aus den Augen tropfe.
Die Art des Horstbaumes
spielt keine Rolle, es ist hier nur wichtig, dass er starke Äste hat um
einen oder mehrere Horste zu tragen. Wo Bäume fehlen, wird in Sträuchern
bis zu 3 m Höhe gebaut . In den zwei letzten Jahrzehnten werden besonders im
Flachland Horste im Schilf gebaut. In England gar brüten verschiedene
Graureiherpaare sogar auf den nackten Boden. So ein Horst wird von beiden
Partnern gebaut und instand gehalten. Das Männchen holt das Material und das
Weibchen verbaut es. Auch wird während der gesamten Brutzeit immer wieder
ein Ast verbaut. Der Grundbau besteht aus Ästen und Zweigen, während die
Mulde mit feineren Reisern und Wurzeln ausgelegt ist.
Zwischen März und Mai werden in Abständen von 48
Stunden vier bis fünf blaugrüne Eier gelegt. Sie haben eine Größe von 60,6 x
43,0 mm. Ihr Gewicht beträgt 60g bei einem Schalengewicht von 4,65 g. Es
erfolgt nur eine Brut, bei frühen Verlust kann aber ein Nachgelege erfolgen.
In der Regel beginnt die Bebrütung ab dem 2. bez. 3. Ei. Beide Geschlechter
brüten.
Nach 25 - 26 Tagen schlüpfen
die Jungen. Dieses wird an den Eierschalen unter dem Horst sichtbar. Die
Jungen sind oberseits mit bräunlichen und unterseits mit hellen Dunen
versehen. Sie werden mindestens 10 Tage von einem Elternteil bewacht und
gehudert. Alle zwei Stunden werden sie von einem Elternteil mit Nahrung
versorgt. Diese ist vorverdaut und wird vom Altvogel in das Nest erbrochen.
In den ersten 14 Tagen werden den Jungen hiervon kleine Stücke vorgehalten
oder in den Schnabel gestopft, hiernach nehmen diese selbständig ihr Futter.
Der Kot wird über den Horstrand gespritzt. Im Laufe der Jahre führt dieses
zum Absterben des Horstbaumes. Im Alter von sechs Wochen werden Flugübungen
und auch schon kleine Ausflüge unternommen. Mit 45 - 55 Tagen sind sie
flugfähig. Sie kehren aber noch eine zeitlang in Nest zurück. Sie halten
sich in der Nähe der Eltern auf um mit ihnen im Herbst nach Süden zu ziehen
oder im Revier zu überwintern.
Der Nahrungsbedarf des
Graureihers liegt bei etwa 300 - 500 g pro Tag. Bei der Jagd schreitet er
wie in Zeitlupe umher. Sieht er eine Beute, so schnellt sein Schnabel
blitzartig vor. Hauptsächlich lebt er von Fischen, Insekten, Kleinsäugern,
Frösche und Reptilien. Ab und zu wird auch ein mal ein Jungvogel
verschluckt. Übrigens richtet sich die Nahrung nach den örtlichen
Gegebenheiten. Natürlich steht an erster Stelle der Fisch und wenn er direkt
bei seiner Brutkolonie einen Fischzuchtteich hat, kann man sich denken, dass
der Graureiher sich hier regelmäßig seine Nahrung holt und zwar auf
leichteste Weise. Verdaut wird in einem höheren Baum. Hier findet man dann
auch die Gewölle aus unverdauten Teilen. Sie haben eine Größe von etwa 4 x 6
cm.
Die Eier des Graureihers
finden zahlreiche Liebhaber. Sei es ein Eiersammler oder ein tierischer
Feind. So holt sich der Marder gerne im unbewachten Augenblick ein Ei.
Am schlimmsten sind die
Krähenvögel, welche sogar in den Kolonien nisten. Am ärgsten treiben es die
Aaskrähen. Sobald ein Reiher auf dem Gelege gestört wird und abfliegt,
machen sie sich über die Eier her, welche nicht verteidigt werden.
Bei den Nestlingen sieht es
nicht anders aus. Marder und Krähenvögel holen sich im unbewachten
Augenblick ihren Anteil. Hinzu kommen hier noch ab und zu die Schäden durch
Greifvögel. Kälte- und Regenperioden können gerade den Nestlingen im
Erstlingskleid den Tod bringen. Das Nesthäkchen wird von den Geschwistern
bei Nahrungsmangel zerdrückt und zertrampelt. Das tote Junge wird von den
Eltern als Fremdkörper betrachtet und verschlungen (Kronismus), oder
gelegentlich auch von den Nestgeschwistern hinuntergewürgt (Kannibalismus).
In den ersten Wochen nach dem Ausfliegen sind die Jungreiher durch ihre
Unerfahrenheit in Unglücksfälle verwickelt, welche teilweise sogar tödlich
enden. Als Anhalt sei gesagt, dass die Sterblichkeitsrate der Jungreiher im
1. Lebensjahr bei 80 % liegt und nur 5 % erreichen das 4. Lebensjahr. Leider
werden heute von Teichbesitzern immer noch Abschüsse von Reihern bei
Behörden gefordert, obwohl es gar nicht schwierig ist die Teiche durch
Stolperdrähte oder Netze dem Graureiher zu vergraulen. Oft hilft es auch,
sich mit Naturschützern zusammenzusetzen um über evtl. Fischverluste zu
reden und sich zu arrangieren.
Trotz aller Gefahren
erreichten einzelne beringte Graureiher ein Alter von 20 - 24 Jahren,
wogegen in Menschenobhut 25 Jahre erreicht wurden.
Obwohl die Bestände des
Graureihers sich in den letzten Jahrzehnten erholt haben, auch teilweise
angewachsen sind, zeigt sich, dass der verstärkte Schutz erfolgreich war und
deshalb beibehalten werden muss. Es sollte nach wie vor ein Abschussverbot
bestehen bleiben.
Reiherkolonien sollten unter strengem Schutz stehen und in verlassenen
Kolonien sind Kunsthorste als Anreiz aufzustellen, meistens dauert es nicht
lange und diese werden wieder bewohnt.