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Der Graureiher  
Ardea cinerea


Allgemeines

Namen

Systematik

Verbreitung
der_Unterarten

Lebensraum

Kennzeichen

Stimme

Haltung_und_Zucht

Fortpflanzung

Balz, Paarung

Nest

Ei, Gelege

Schlupf, Aufzucht

Nahrung

Verluste

Alter

Schutz

Literatur

Fischreiher Ardea cinerea  /  Foto: © J. Giebing
Graureiher Ardea cinerea                                                            Foto: © J. Giebing
 

Allgemeines

Die große Artenzahl und das weite zusammenhängende Verbreitungsgebiet lassen darauf schließen, dass Reiher stammesgeschichtlich ein hohes Alter haben. So hat man bereits im Eozän, also vor 50 Millionen Jahren, Vögel nachgewiesen, welche verwandtschaftliche Beziehungen zum Reiher erkennen lassen. Fossile Funde aus dem Miozän, also ca. 20 Millionen Jahre alt, wurden in Frankreich und in Deutschland gefunden. Etwa 20000- 30000 Jahre alte Reiherknochen wurden in Höhlen Westeuropas entdeckt.

Namen

Dieser unser häufigster und größter Reiher ist im Volksmund bekannt, wird aber meistens mit negativen Eigenschaften behaftet. Deshalb ist es gut, dass man statt "Fischreiher" immer mehr die Bezeichnung Graureiher hört. Selbst der wissenschaftliche Name schließt sich dieser Meinung an, den "Ardena" bedeutet Reiher und "cinerea" ist Asche von "cinis" also aschgrau.

Systematik

Der Graureiher wird nach WOLTERS wie nachstehend eingereiht:

Ordnung

Ciconiiformes

Schreitvögel

Unterordnung

Ardeae

Reiher

Familie

Ardeidae

Reiher

Gattung

Ardea L., 1758

 

Art

Ardea cinerea  L., 1758

Fischreiher (Graureiher)

Unterarten WOLTERS

cinerea, jouyi, monicae, firasa

Verbreitung der Unterarten

Die Verbreitung des Graureihers wurde nur grob angedeutet um die Größe seines Lebensraumes aufzuzeigen.

cinerea: Die Nominatform bewohnt als Brutvogel Eurasien von Irland und den Orkneyinseln ostwärts und fehlt lediglich in Island, Nordskandinavien, Nordfinnlands und Teile der ehemaligen GUS. Bei uns in Mitteleuropa ist die Nominatform Ardea cinerea cinerea vertreten.

jouyi: Diese Unterart bewohnt China, Japan, Thailand und Indien.

monicae: Sie ist in Teilen von Afrika, wie Marokko, Algerien und Tunesien zuhause und ist auch im übrigem Afrika zu finden, aber schlecht von Zugvögeln zu trennen.

firasa: Bewohnt Madagaskar.

Lebensraum

Er liebt stehende und fließende Gewässer, ganz gleich ob Brack- oder Salzwasser. Wichtig ist nur, dass sie seicht und nicht vollkommen verkrautet sind. Da er sich anpasst, zum Beispiel in starken Mäusejahren, oder im Süden die Heuschreckenschwärme, verzichtet er sogar auf Wasser. So ist er in den letzten Jahren auch in Parks der Großstädte zu finden. So haben sie sich auch schon in Zoos angesiedelt. Graureiher sind Teilzieher, welche schon vor der Schneeschmelze in ihren Brutrevieren er­scheinen und nach der Brut abziehen. Besonders die Jungvögel unternehmen nach ihrer Selbständigkeit weite Wanderungen. Im Herbst und Winter sind zurückgebliebene Graureiher auch auf abgeernteten Kornfeldern oder Wiesen futtersuchend anzutreffen. Ist der Winter hart, so sind unter ihnen große Verluste zu erwarten, wenn sie nicht verspätet wegziehen.

Kennzeichen

Der Graureiher ist mit seinen 91 cm nur knapp storchengroß. Der gelbliche Schnabel färbt sich im Frühjahr orange ebenso die graubraunen Beine. Vom Auge bis zum Hinterkopf endet ein schwarzer Streif in zwei langen Nackenfedern . Von der grauen Oberseite heben sich die schwarzen Arm- und Handschwingen ab. Der Hals ist weißlichgrau und vorne schwarzgestrichelt. Unterseits ist er weißlich und seine Flanken sind stahlgrau. Die Geschlechter gleichen sich. Zwar sind Weibchen etwas kleiner und schwächer und oft blasser gefärbt, aber feldornithologisch nicht zu unterscheiden. Den Jungvögeln fehlen die Nackenfedern und ihr Gefieder ist dunkler. Graureiher tragen im Flug einen eingezogenen s-förmigen Hals, welcher nur beim Greifvo­gelangriff, ausgestreckt wird. Sie fliegen langsam mit weitausholenden Flügelschlägen. Die Beine sind beim Flug langgestreckt. Sie waten schleichend im Seichtwasser oder lauern mit eingezogenem Hals auf Beute. Der Schutz des Gefieders vor dem Durchnässen, ist für den Graureiher besonders wichtig. Nun ist seine Bürzeldrüse fast verkümmert und für ihn mit dem Schnabel nur schwer er­reichbar. Diese Aufgabe erfüllen die sogenannten Puderdunenfelder. Sie zerfallen allmählich zu feinem Staub und werden statt Fett zur Gefiederpflege genommen.

Graureiher sind tag- und dämmerungsaktiv, sie können aber auch nachts jagen.

Stimme

Die Stimme des Graureihers klingt rau. Nur vom Männchen ist der Werbungsruf ein dumpfes »Rwo« zu hören. Gedroht wird »Go-o-o« hauptsächlich in der Kolonie. Der am häufigsten zu hörende Flugruf lautet »Kraik« oder »Krai«. Die  Jungen  fangen  bald  nach  dem Schlüpfen an zu »Kekkern«, welches mit zunehmenden Alter immer lauter und rauer wird. Die Begrüßung der ankommenden Partner, bzw. von Jung- und Altvögeln, in der Brutkolonie macht einen ziemlichen Lärm.

Haltung und Zucht

Fischreiher werden regelmäßig in Zoos und Vogelparks, seltener von Privatliebhabern gehalten. Die Eingewöhnung macht keine Probleme, da die Reiher meist sehr ruhig und weniger schreckhaft sind. Es  empfiehlt sich jedenfalls eine Koloniehaltung und das in Freianlagen oder Volieren. Voraussetzung ist in jedem Falle es stehen Bäume und Sträucher für sie bereit. Bei uns können sie im Freien gehalten werden wenn ihnen im Winter ein Schutzraum zur Verfügung steht. Am besten gibt man ihnen dann das Futter mehrmals täglich damit es nicht gefriert.
Beim Futter sind sie nicht all zu wählerisch, wenn neben dem Futternapf auch ein Napf mit Wasser vorhanden ist, in dem sie teilweise ihr Futter einweichen damit es besser rutscht.
Verfüttern kann man neben Fisch auch in Streifen geschnittenes Fleisch, auch tote Eintagsküken.
Für die Zucht bietet man ihnen flache Körbe als Nisthilfe an und sie werden auch gerne angenommen.
In Nähe des Reihers sollte der Pfleger sich nicht allzu sorglos bewegen, da er aus heiterem Himmel oder aus einer Laune heraus plötzlich mit dem spitzen Schnabel einen Hieb ins Gesicht bekommen kann.

Fortpflanzung

Graureiher werden meistens im 2., seltener schon im 1. Lebensjahr geschlechtsreif.
Sie führen eine monogame Saisonehe. Die Brut erfolgt vorwiegend kolonieweise, welche abhängig ist von den Nistplätzen und selbstverständlich vom Menschen und auch vom Nah­rungsangebot. Die Nahrung muss aber mindestens im Umkreis von 20 - 25 km zu finden sein. Die Kolonie besteht nicht nur aus Graureihern, sondern es können andere Reiher, oder Kormorane, aber auch Saatkrähen und oft sogar einzelne Greifvogelpaare dort vorhanden sein. In solch einer Kolonie gibt es Zu- und Abgänge: Lässt man die Reiher gewähren, so nimmt die Kolonie zu, stört man die Reiher, so wird sie kleiner. Es gibt  Kolonien, die seit Jahrzehnten, ja sogar seit Jahrhunderten bestehen.

Balz, Paarung

Im Februar / März stellen sich zuerst die Männchen ein. Es wird der alte Horst besetzt. Lässt sich nun ein paarungsbereites Weibchen im Bereich des Männchens sehen, so laufen verschiedene Imponierhaltungen ab, wie zum Beispiel Drohen oder Schnabelgefechte. Sind sich beide näher gekommen, wenn zum Beispiel einer den anderen krault, oder wenn Zweige des Horstes geordnet werden, ist die Paarbildung vollzogen und es erfolgt die Begattung. Das Weibchen hockt sich mit angehobenem Hinterleib und vorgestrecktem Hals hin, während das Männchen sich auf das Weibchen hockt. Es fasst dann das Nackengefieder und senkt den Hinterleib. Flügelschlagend wird nun die Begattung vollzogen. Bei manchen Reihern färbt sich hierbei die Iris dunkel und auch der Oberschnabel wird orange. So kam es früher zu der irrigen Ansicht, dass die Reiher sich nur widerwillig paaren und demzufolge das Blut aus den Augen tropfe.

Nest

Die Art des Horstbaumes spielt keine Rolle, es ist hier nur wichtig, dass er starke Äste hat um einen  oder mehrere Horste  zu tragen. Wo Bäume fehlen, wird in Sträuchern bis zu 3 m Höhe gebaut . In den zwei letzten Jahrzehnten werden besonders im Flachland Horste im Schilf gebaut. In England gar brüten verschiedene Graureiherpaare sogar auf den nackten Boden. So ein Horst wird von beiden Partnern gebaut und instand gehalten. Das Männchen holt das Material und das Weibchen verbaut es. Auch wird während der gesamten Brutzeit immer wieder ein Ast verbaut. Der Grundbau besteht aus Ästen und Zweigen, während die Mulde mit feineren Reisern und Wurzeln ausgelegt ist.

Ei, Gelege

Zwischen März und Mai werden in Abständen von 48 Stunden vier bis fünf blaugrüne Eier gelegt. Sie haben eine Größe von 60,6 x 43,0 mm. Ihr Gewicht beträgt 60g bei einem Schalengewicht von 4,65 g. Es erfolgt nur eine Brut, bei frühen Verlust kann aber ein Nachgelege erfolgen. In der Regel beginnt die Bebrütung ab dem 2. bez. 3. Ei. Beide Geschlechter brüten.

Schlupf, Aufzucht

Nach 25 - 26 Tagen schlüpfen die Jungen. Dieses wird an den Eierschalen unter dem Horst sichtbar. Die Jungen sind  oberseits mit bräunlichen und unterseits mit hellen Dunen versehen. Sie werden mindestens 10 Tage von einem Elternteil bewacht und gehudert. Alle zwei Stunden werden sie von einem Elternteil mit Nahrung versorgt. Diese ist vorverdaut und wird vom Altvogel in das Nest erbrochen. In den ersten 14 Tagen werden den Jungen hiervon kleine Stücke vorgehalten oder in den Schnabel gestopft, hiernach nehmen diese selbständig ihr Futter. Der Kot wird über den Horstrand gespritzt. Im Laufe der Jahre führt dieses zum Absterben des Horstbaumes. Im Alter von sechs Wochen werden Flugübungen und auch schon kleine Ausflüge unternommen. Mit 45 - 55 Tagen sind sie flugfähig. Sie kehren aber noch eine zeitlang in Nest zurück. Sie halten sich in der Nähe der  Eltern auf um mit ihnen im Herbst nach Süden zu ziehen oder im Revier zu überwintern.

Nahrung

Der Nahrungsbedarf des Graureihers liegt bei etwa 300 - 500 g pro Tag. Bei der Jagd schreitet er wie in Zeitlupe umher. Sieht er eine Beute, so schnellt sein Schnabel blitzartig vor. Hauptsächlich lebt er von Fischen, Insekten, Kleinsäugern, Frösche und Reptilien. Ab und zu wird auch ein mal ein Jungvogel verschluckt. Übrigens richtet sich die Nahrung nach den örtlichen Gegebenheiten. Natürlich steht an erster Stelle der Fisch und wenn er direkt bei seiner Brutkolonie einen Fischzuchtteich hat, kann man sich denken, dass der Graureiher sich hier regelmäßig seine Nahrung holt und zwar auf leichteste Weise. Verdaut wird in einem höheren Baum. Hier findet man dann auch die Gewölle aus unverdauten Teilen. Sie haben eine Größe von etwa 4 x 6 cm.

Verluste

Die Eier des Graureihers finden zahlreiche Liebhaber. Sei es ein Eiersammler oder ein tierischer Feind. So holt sich der Marder gerne im unbewachten Augenblick ein Ei.

Am schlimmsten sind die Krähenvögel, welche sogar in den Kolonien nisten. Am ärgsten treiben es die Aaskrähen. Sobald ein Reiher auf dem Gelege gestört wird und abfliegt, ma­chen sie sich über die Eier her, welche nicht verteidigt werden.

Bei den Nestlingen sieht es nicht anders aus. Marder und Krähenvögel holen sich im unbe­wachten Augenblick ihren Anteil. Hinzu kommen hier noch ab und zu die Schäden durch Greifvögel. Kälte- und Regenperioden können gerade den Nestlingen im Erstlingskleid den Tod bringen. Das Nesthäkchen wird von den Geschwistern bei Nahrungsmangel zerdrückt und zertram­pelt. Das tote Junge wird von den Eltern als Fremdkörper betrachtet und verschlungen (Kronismus), oder gelegentlich auch von den Nestgeschwistern hinuntergewürgt (Kannibalismus). In den ersten Wochen nach dem Ausfliegen sind die Jungreiher durch ihre Unerfahrenheit in Unglücksfälle verwickelt, welche teilweise sogar tödlich enden. Als Anhalt sei gesagt, dass die Sterblichkeitsrate der Jungreiher im 1. Lebensjahr bei 80 % liegt und nur 5 % erreichen das 4. Lebensjahr. Leider werden heute von Teichbesitzern immer noch Abschüsse von Reihern bei Behörden gefordert, obwohl es gar nicht schwierig ist die Teiche durch Stolperdrähte oder Netze dem Graureiher zu vergraulen. Oft hilft es auch, sich mit Naturschützern zusammenzusetzen um über evtl. Fischverluste zu reden und sich zu arrangieren.

Alter

Trotz aller Gefahren erreichten einzelne beringte Graureiher ein Alter von 20 - 24 Jahren, wogegen  in Menschenobhut 25 Jahre erreicht wurden.

Schutz

Obwohl die Bestände des Graureihers sich in den letzten Jahrzehnten erholt haben, auch teilweise angewachsen sind, zeigt sich, dass der verstärkte Schutz erfolgreich war und deshalb beibehalten werden muss. Es sollte nach wie vor ein Abschussverbot bestehen bleiben.
Reiherkolonien sollten unter strengem Schutz stehen und in verlassenen Kolonien sind Kunsthorste als Anreiz aufzustellen, meistens dauert es nicht lange und diese werden wieder bewohnt.

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Strenger Schutz von Reiherkolonien

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Evtl. in verlassenen Kolonien Kunsthorste als Anreiz aufstellen.

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Ruhezonen schaffen und für Wassersportler    sperren.

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In strengen Wintern sollten Fütterungen erfolgen

Wenn diese Schutzmaßnahmen konsequent durchgeführt werden, dann wird der Graureiher auch  weiterhin bei uns zu Hause bleiben.  

Literatur

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CREUTZ, G. (1983): Der Graureiher, Wittenberg

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BEZZEL, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Nichtsingvögel Wiesbaden

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Hauptsächlich lebt der Graureiher von Fischen, Insekten, Kleinsäugern, Frösche und Reptilien.
Foto: ©Jürgen Giebing

Graureiher Ardea cinerea
Foto: © Wolfgang Sukale
http://www.vogelruf.de

Systematik:

Nach WOLTERS (1975-1983) ergibt sich folgende Einordnung in das zoologische System:

Ordnung
Ciconiiformes

Schreitvögel

Unterordnung
Ardeae
Reiher

Familie
Ardeidae
Reiher

Gattung
Ardea
L., 1758
Reiher

Unterarten nach WOLTERS
cinerea, jouyi, monicae, firasa

 

Verbreitung / Lebensraum:

Verbreitung / Lebensraum: Küsten Verbreitung / Lebensraum: Flußmündungen


Brutvogel, der nur im Sommer anwesend ist Ganzjährig anwesender Vogel Wintergast Selten oder kein Vorkommen 

Diagramm der Beobachtungshäufigkeit
nicht zu beobachten recht häufig zu beobachten am häufigsten zu beobachten

 
Links zum Thema



Norwegen: Die Vogelarten auf Runde - Fischreiher


Natur Lexikon Graureiher Ardea cinerea


Forum für Naturfotografen


http://www.digitalfotografie-online.de/


Ardeidae, Ardea cinerea - Graureiher

 

Literatur-Tipps

Buch-Cover

Creutz, Gerhard, Der Graureiher - Ardea cinerea
Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 530, 2. Aufl. 1983,
195 S., 82 S/W-Abb.,

ISBN: 3-89432-341-8
vergriffen, nur als Kopie lieferbar

zum Verlag
 

 

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Copyright © 2004 Manfred Giebing  Stand: 26. November 2007