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Schlupf - Aufzucht

Sobald die geschlüpften Jungen abgetrocknet sind, trägt das Weibchen die Eierschalen aus dem Nest. In den ersten 6 Tagen werden die Jungen vom Weibchen gehudert und gefüttert und zwar mit dem Futter, das es in regelmäßigen Abständen vom Männchen erhält. Schon nach ein paar Stunden legen sich die Jungen so, dass ihre Hinterteile nach außen und ihre Köpfe nach innen zeigen. Solange das Weibchen hudert, wird der Kot der Jungen verschluckt. Später wird er von beiden fütternden Elternteilen auf einen entfernten Ast in der Voliere abgelegt. Zwischen dem 5. und 7. Tag sollte die Beringung der Jungen mit amtlichen Ringen erfolgen. Die Augen der Jungen sind am 8. Tag geöffnet. Bisher sperrten sie ja bei jeder Erschütterung des Nestes oder auf den »Uuh-Ruf« des Weibchens, nun wird direkt  der ankommende Altvogel angesperrt. Jetzt fliegen die Eltern immer gemeinsam zum Futterholen und kehren auch gemeinsam zum Füttern zurück. Bei Nestkontrollen ab 9. bis 10. Tag reagieren die Jungen mit Abwehrsperren und drücken sich tief ins Nest hinein. Ab dem 12. Tag sollten keine Nestkontrollen mehr vorgenommen werden, da die Nestlinge dann fluchtartig das Nest verlassen. Unter normalen Verhältnissen erfolgt dieses meistenteils erst mit dem 16. oder 17. Tag. Bleiben sie länger im Nest, so stimmt mit der Ernährung etwas nicht. Sie sitzen nach dem Ausfliegen im Gezweig und lassen regelmäßig ihren Standortlaut hören, damit sie ihr Futter bekommen. Mit 20 bis 24 Tagen nehmen die Jungen selbständig Nahrung auf. Am 35. Tag sind die Jungen selbständig. Auch wenn sie den Altvogel noch um Futter anbetteln, können sie nun aus der  Zuchtvoliere entfernt werden.

Pyrrhula pyrrhula. Jungvögel beim Sperren. Foto: © Schreurs

Jetzt muss man besonders aufpassen, damit es unseren Pfleglingen gut geht. Es  kann nämlich passieren, dass durch zu einseitige Aufnahme von Futter oder zum  Beispiel Dreck oder Kot einer der Jungen krank wird. Meistens sitzen sie dann mit aufgeplustertem Gefieder da.
Diese Tiere sind abzusondern und mit ESBoder anderem Antibiotika zu behandeln. Von vornherein alle Tiere prophylaktisch zu behandeln, lehne ich ab. Nach ihrer Jugendmauser gehen die Jungen sogenannte »Geschwisterverlobungen« ein, wobei die Geschlechter keine Rolle spielen. Da die jungen Männchen während des ersten Winters rein weibliches Verhalten zeigen, treten bei ihnen auch Nestbauversuche und Begattungsaufforderungen auf. Spätestens Ende des  Winters trennen sie sich, um dann einen Brutpartner zu suchen. Gimpel machen in Menschenobhut zwei bis drei Jahresbruten. Mehr sollte man auch nicht zulassen, da hier besonders das Weibchen zu sehr belastet wird.

Mauser

Die Mauser der Gimpel erfolgt in der Zeit von August bis Oktober. Während die Jungvögel nur eine Teilmauser durchmachen, also das Kleingefieder wechseln, erneuern die Altvögel ihr ganzes Gefieder, das heißt, die Mauser kann bei ihnen schon während der Jungenführung einsetzen und dauert etwa 80 bis 85 Tage. Wie wir sehen, verläuft die Mauser langsam, so das die Vögel flugfähig bleiben. Sind die Gimpel richtig ernährt, überstehen sie die Mauser ohne Probleme. Sehr wichtig ist es, während dieser Zeit reichlich Ebereschen- und Ligusterbeeren zu reichen, damit die rote Farbe so richtig zur Geltung kommt. Aber auch reichliche Gaben von Pflanzen mit rötlichen Farbstoffen wie z. B. Storchschnabel beeinflussen die Rotfärbung.

Ernährung

Entscheidend für ein hohes Lebensalter und für den Nachzuchterfolg beim Gimpel ist die artgerechte Ernährung. Sie sollte genau so abwechslungsreich sein wie in der freien Natur und zum größten Teil aus halbreifen und reifen Sämereien von Wildkräutern bestehen, wie sie in nachstehender Tabelle aufgeführt sind. Diese Pflanzen hole ich jeden Tag frisch. Teilweise werden sie zu Sträußen gebunden und aufgehängt oder auf dem Boden verfüttert. Die Pflanzen, die zu dem Zeitpunkt halbreif oder reif sind, werden von mir gesammelt, so dass sich zwangsläufig schon eine abwechslungsreiche Nahrung zusammenstellt.

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