In seiner »Naturgeschichte der
Stubenvögel« berichtete schon BECHSTEIN (1797): „Besonders angenehm ist
es, wenn man einen jungen Hänfling von einer Nachtigall unterrichten lässt. Ich
habe einen der den vollkommenen Schlag der Nachtigall inne hat, und mich das
ganze Jahr hindurch, wenn meine Nachtigallen schweigen, mit diesem Gesange
erfreut.“
Der Hänfling zählt also seit Jahrhunderten zu den Pfleglingen der
Waldvogelliebhaberei. Wie bekannt und volkstümlich er war und auch noch ist,
zeigt eine Fülle von Trivialnamen. Wir sollten aber bei den Namen Bluthänfling,
er bezieht sich auf die rote Brust und seine Nahrung, oder nur bei Hänfling,
wonach er schon im Mittelalter benannt wurde, bleiben, damit sich diese Namen
festigen.
War er einst so häufig in einigen Gegenden, wie der Spatz, so gehört er leider
heute zu den Vogelarten, die immer weniger werden.
Nach WOLTERS ergibt sich nachstehende Eingliederung:
|
FAMILIE: |
CARDUELIDAE |
GIMPEL BZW. HÄNFLINGE |
|
|
GATTUNG: |
Linaria BECHST., 1802 |
HÄNFLINGE |
|
|
ART: |
Linaria cannabina (L., 1758) |
BLUTHÄNFLING oder |
|
|
UNTERARTEN: |
harterti, meadewaldoi, nana, autochthona, bella. |
|
|
In Mitteleuropa ist die Nominatform Linaria cannabina cannabina zu finden. Näheres über seine Verbreitung und seiner Unterarten ist der Karte zu entnehmen.
Linaria cannabina
cannabina: Nominatform, hauptsächlich Europa, Beschreibung siehe
Kennzeichen.
Linaria cannabina harterti: Östliche Kanaren, ist wie bella
heller.
Linaria cannabina meadewaldoi: Westliche Kanaren, kleiner und
leuchtender gezeichnet.
Linaria cannabina nana: Madeira, ist ebenfalls kleiner und
leuchtender gezeichnet.
Linaria cannabina autochthona: Ist in Schottland zu Hause und am
dunkelsten.
Linaria cannabina bella: Kleinasien, ist heller, vor allem am Kopf,
mit fast weißem Bürzel.
Mit seinen reichlich 13 cm ist der Hänfling etwas größer und rundlicher als ein Birkenzeisig. Er ist oberseits kastanienbraun mit graubraunem Kopf. Die Schwingen und der tief gegabelte Schwanz sind dunkelbraun und weiß gebändert. Zur Brutzeit zeigt das Männchen, wie sein Name schon sagt, eine rote Brust und Stirn. Das Weibchen ist ohne jedes Rot und dunkelbraun längsgestreift. Im Schlichtkleid ähneln sich die Geschlechter, obwohl das Männchen einen leichten rosa Hauch auf der Brust haben kann. Die Jungen sind Nesthocker und mit langen grauen Dunen besetzt. Ihr Rachen ist rosarot und die Schnabelwülste sind hellgelb.
Der Hänfling ist auf den
Kanarischen Inseln, Madeira, Europa, durch West-Sibirien bis zum oberen Ob und
durch Kleinasien (südwärts durch Syrien bis Israel), Iran, Nord-Afghanistan,
Turkestan und West-Sinkiang bis zum Altai beheimatet.
Der Hänfling ist als eine vornehmlich europäische Art anzusehen, er fehlt im
Norden von Fennoskandien und in den Steppen von der Halbinsel Krim bis zu den
mittelasiatischen Gebirgen. Weiterhin ist er nicht heimisch in Nordschottland,
in den bewaldeten höheren Mittelgebirgen und den Ostalpen.
Bei uns bewohnt er offenes Gelände mit Gebüsch, besonders Wacholderheiden,
Bahndämme mit Gestrüpp, Weinberge und Ruderalflächen, wo er teilweise sogar
überwintert.
Hänflinge sind gesellige Vögel,
welche nicht nur außerhalb, sondern auch während der Brutzeit gerne in sozialen
Verbänden zusammen leben. Ebenfalls wird das lockere Koloniebrüten, wie auch das
gemeinsame Suchen nach Nahrung und die Benutzung eines Sammelschlafplatzes, aber
auch das gemeinsame Wandern in Gesellschaft durchgeführt. Mehrere Paare suchen
gemeinsam nach Nistmaterial und kommen auch geschlossen zurück.
Im Herbst und Winter, also außerhalb der Brutzeit, vergesellschaften sie sich
mit anderen Finken, Cardueliden und Ammern.
Wer wohl den schönsten Gesang unter den heimischen Körnerfressern hat, der
Hänfling oder der Stieglitz, ist Ansichtssache. Jedenfalls gehört der
Hänflingsgesang mit zu den Besten. Er ist ansprechend und temperamentvoll. Er
besteht aus Kräh- und reinen Pfeiftönen, welche mit den Lockrufen »Gjä-gjä«
eingeleitet werden. Der Gesang wird von einer Warte oder im Flug vorgetragen. Zu
hören ist er mit Ausnahme der Mauserzeit, das ganze Jahr über. Die Jungen lernen
den Gesang vom Vater und wenn dieses aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, so
werden sie Stümper und können dann direkt zur Nervensäge werden. Sie können
aber auch von Vogelarten in ihrer Umgebung, Teile aus deren Gesang übernehmen.
Übrigens lassen auch Weibchen vor der Paarung oder auch der Eiablage einen
leisen Gesang hören. Selbst nach der Mauser kann der Weibchengesang gehört
werden.
Bei Störungen lassen sie ein durchdringendes »Düje« und als Warnruf ein leises
und gedehntes »Tjuiid« hören.
War noch bei DOST (1954) zu
lesen: „Für die Haltung im Käfig ein empfehlenswerter Singvogel, der sich
durch seinen guten Gesang auszeichnet und der einfach zu füttern ist“,
so bin ich der Meinung, dass diese Zeiten vorbei sein sollten. Der Hänfling ist
ein Vogel des offenen Geländes und gehört dementsprechend in eine Voliere.
Dieses wurde durch Haltungsexperimente untermauert. Mit zunehmender Gruppengröße
im Käfig nahmen die Vögel an Gewicht ab. Auch kann der Hänfling in der Voliere
seinen angeborenen Drang zum Fliegen ausleben und seine natürlichen
Verhaltensweisen entfalten.
Die Voliere sollte deshalb die Bepflanzung im Hintergrund haben und einen freien
Vordergrund, welcher Raum zum Fliegen bietet. Hierbei bieten sich Rankgewächse
wie Knöterich, Efeu oder Jelängerjelieber an, weil sie nicht allzu viel Platz
beanspruchen. Sie haben nur den Nachteil zu wuchsfreudig zu sein. Weiterhin
bieten sich Holunder, Weißdorn, Thuja oder Fichten an. Man sollte sie
heckenmäßig zuschneiden, damit sie dicht werden um als Neststandort zu dienen.
Wer keine Möglichkeit zur Naturbepflanzung hat, sollte nicht verzweifeln, denn
er kann ja seine Volierenwände mit Kiefernästen oder andere Nadelholzzweige
verkleiden.
Meine Volieren habe ich ja des öfteren beschrieben, deshalb nur ganz kurz. Sie
sind überdacht, die Wetterseite ist verkleidet. Angegliedert ist ein Schutzraum.
Meine Hänflinge konnten immer kalt überwintern, denn die Temperaturen bei uns im
Westerwald gehen kaum unter minus 20°. Zudem reiche ich im Schutzraum Wasser
und Futter, welches sie dann frostfrei aufnehmen können.
Der Boden ist mit Fichtennadeln belegt. Als Nisthilfen werden Kaisernester und
SABEL`SCHE Nistklötze in den Zweigen und Pflanzen angeboten.
Übrigens ist der Hänfling friedfertig und kann somit mit anderen Vogelarten
vergesellschaftet werden. Vorsicht ist nur geboten wenn Heckenbraunellen mit
ihm vergesellschaftet werden sollen, denn sie stellen eine große Gefahr dar und
töten meistens den Hänfling. Vor Jahren habe ich in einer Voliere doppelter
Größe mehrere Paare Hänflinge untergebracht. Sie waren untereinander friedfertig
und aufgrund ihrer sozialen Nistweise wirkten sie untereinander brutstimulierend.
Heutzutage belegt ein Paar Hänflinge bei mir eine Voliere während der Brutzeit
und danach verbringt es , wenn ich die Durchflüge öffne, mit meinen anderen
Vögeln gemeinsam den Winter.
Hänflinge werden jeweils bis zur nächsten, dem Schlüpfen folgenden Brutperiode geschlechtsreif. Sie führen eine monogame Saisonehe. Sie führen im Jahr 1 bis 2 Bruten, in günstigen Lagen sogar 3 Bruten durch.
Während der Balz spreizt das Männchen den Schwanz. So sind die weißen Außenfahnen deutlich zu sehen. Dabei sträubt es das Kopfgefieder und lässt die vibrierenden Flügel hängen. Unter trippelnden Fuß- und Drehbewegungen verdreht es den Kopf derartig, dass sein Körper eine senkrechte Haltung einnimmt. Der Gesang wird solange vorgetragen, bis das Weibchen kommt. Sofort verstummt der Gesang und die Begattung findet statt. Währenddessen lässt das Weibchen leise wispernde Laute hören. Die Begattungen erfolgen mehrmals täglich bis zur Beendigung der Eiablage.
An der Wahl des Nistplatzes sind beide Partner beteiligt. Während das Männchen auf geeignete Brutbüsche oder Brutzweige aufmerksam macht, bestimmt das Weibchen den genauen Stand. Beide Partner durchstreifen dann das Gelände und das Weibchen durchschlüpft die Zweige. An evtl. Plätzen findet ein Probesitzen statt. Das Männchen sitzt dann in der Nähe und singt. Meistens liegen die Nistplätze in ziemlich dichten Nadelzweigen, also gegen Licht geschützt aber dem Weibchen einen guten Überblick gebend. Für das Grundfundament und den Mittelbau werden in unterschiedlichster Stärke trockene Grashalme, Krautstängel und Moos verwendet. Die Auspolsterung setzt sich aus Tierhaaren, Wolle oder feinen Wurzelgeflecht zusammen. Es können auch Zigarettenfilter, Bindfäden, Watte und weiche Federn verarbeitet werden. Die Bauzeit beträgt meistens drei bis vier Tage, kann sich aber bei einen Witterungsumschwung durchaus auf eine Woche verlängern.
Die Eiablage findet meistens in
den frühen Morgenstunden statt. Die Eier haben eine ovale Form. Ihre Grundfarbe
ist bläulichgrün oder auch bräunlichweiß. Sie sind meistens mit ziegelroten bzw.
rotbraunen Klecksen wie auch purpurbraunen Flecken, besonders am stumpfen Pol,
versehen. Ein Gelege besteht erstaunlich konstant fast immer aus fünf Eiern.
Seltener treten geringere Eizahlen zu Beginn oder am Ende der Brutzeit auf.
Dieses ist aber gesetzmäßig und tritt auch bei anderen Vogelarten auf.
Nach Ablage des vorletzten bzw. letzten Eies beginnt das Weibchen mit dem
Brüten. Während dieser Zeit wird es vom Männchen mit Nahrung versorgt. Es
braucht also das Nest nur kurz zu verlassen um seine Notdurft zu entrichten oder
sein Gefieder zu pflegen. Bei Störungen verlässt es das Nest heimlich. Es wird
aber vorher durch das Männchen gewarnt.
Nach 12 bis 13 Tagen schlüpfen die Jungen. Auch jetzt wird das Weibchen durch das Männchen gefüttert und gibt das Futter an die Jungen weiter. Nach dem Schlüpfen werden die Eischalen aus dem Nest entfernt. Die Jungen öffnen so am 4. bzw. 5. Tag die Augen. Ab jetzt hudert das Weibchen nur noch in der Nacht und beteiligt sich an der Nahrungsbeschaffung. Auch wird jetzt der Kot der Jungen nicht mehr vom Weibchen verschluckt, sondern von beiden Eltern weggetragen. Die Fütterungsintervalle liegen so bei 1 ½ bis 2 Stunden. Zwischen dem 5. und 7. Tag sollte die Beringung erfolgen. Ab 7. Tag sind leise »Ssst-Rufe« von den Jungen zu hören, welche von Tag zu Tag lauter werden. Ab dem 9. Tag ducken sich die Jungen bei einer vermeintlichen Gefahr ins Nest. Bei Störungen können sie jetzt fluchtartig das Nest verlassen. In der Regel erfolgt das Ausfliegen der Jungen mit 12 bis 14 Tagen. Schon vor dem Ausfliegen der Jungen sieht sich das Weibchen nach erneutem Nistmaterial um, damit der reibungslose Ablauf der nächsten Brut sichergestellt ist. Die Jungen sind mit 28 Tagen selbständig.
Die Nahrung des Hänflings
besteht aus Sämereien der verschiedensten Pflanzen, welche er vorwiegend vom
Boden oder in der Krautschicht aufnimmt. Animalische Kost dagegen wird nur
gelegentlich aufgenommen. So gibt es zur Brutzeit einzelne Tiere, welche
Blattläuse verzehren und an ihre Jungen weitergeben. Die Art der
Nahrungsaufnahme ist beim Hänfling eine angeborene Verhaltensweise. Samen oder
Blütenteile der Gräser werden vom Hänfling aus dem Blütenstand gelöst, indem der
Halm Stück für Stück durch den Schnabel geschoben wird. Mit Hilfe der Zunge
werden die Samen dann herausgelöst .Besonders die Art, wie sie Rapsschoten
öffnen, ist sehr bemerkenswert. Normalerweise springen die Schoten, wenn sie
reif sind, sehr leicht auf und die Samen fallen heraus. Die Hänflinge beißen von
den geschlossenen Schoten zuerst das Schotenende ab, also den Teil, der sonst am
längsten zusammenhält. Danach wird ein Fruchtblatt nach dem anderen von der
Spitze zum Fruchtstiel hin entfernt. Die Scheidewand mit den auf den
Fruchtblatträndern sitzenden Samen und das zweite Fruchtblatt bleiben stehen.
Durch das Herabziehen des Fruchtblattes werden die Samen frei und gleich
aufgepickt. Dann wird die Scheidewand mit der Schnabelspitze durchstoßen und
hier die Samen aufgenommen. Hänflinge verhindern hierdurch das Aufspringen der
Schote und können somit alle Samen aufnehmen. So werden auch die Schoten anderer
Kreuzblütler, wie Wegrauke, Ackersenf und Hirtentäschel, immer von dem
entgegengesetzten Ende des Fruchtstieles her geöffnet.
Hänflinge können in der freien Natur, wenn die Wiesen noch in Blüte stehen, aus
beträchtlicher Höhe, zielgerichtet dort einfallen wo rote Ampferpflanzen stehen.
Ebenso wählen sie auf Ruderalplätzen tagelang fast ausschließlich Beifußsamen
aus, während andere sich auf die mit Vogelknöterich bewachsenen Stellen
spezialisieren. Die spontane Auswahl des Ampfers in Wiesen geht auf einen
Farbreiz hin aus, dagegen haben sie Kenntnis von der Pflanzengestalt des Beifuss
und Knöterichs.
Eine ausgewogene Ernährung hält die Hänflinge gesund. Sie erreichen in Freiheit
wenn sie Glück haben ein Alter von 9 Jahren. In Menschenobhut aber können sie
ein hohes Alter von 12 bis 15 Jahren spielend erreichen, wenn wir sie
abwechslungsreich wie in der freien Natur mit halbreifen und reifen Sämereien
versorgen. Wir wissen auch, welche Sämereien er zu welcher Zeit zu sich nimmt
und so sollten wir uns, wenn wir die Möglichkeit haben, diese besorgen. Eine
kleine Mühe welche sich bezahlt macht. Durch die unterschiedliche Reifezeit
ergibt sich zwangsläufig eine Abwechslung.
|
Kurzfassung der Vorzugsnahrung |
|
|
Januar Februar März |
Kohlgewächse, Ackersenf, Knöterich, Gänsefuß, Beifuß, Löwenzahn, Ampfer |
|
April |
Vogelmiere, Wiesenrispengras, Löwenzahn, Ulme, Ackersenf, Knöterich, Beifuß, |
|
Mai |
Vogelmiere, Wiesenrispengras, Löwenzahn, Ulme, Knoblauchrauke, Raps, Getreidekörner, Sauerampfer, Hahnenfuß, Ferkelkraut |
|
Juli |
Vogelmiere, Löwenzahn, Knoblauchrauke, Sauerampfer, Hahnenfuß, Ferkelkraut, Ackersenf, Distelarten, Knöterich, Beifuß, Raps, Getreidekörner |
|
August |
Löwenzahn, Sauerampfer, Hahnenfuß, Ferkelkraut, Ackersenf, Distel, Knöterich, Gänsefuß, Beifuß, Mädesüß, Raps, Rauke, Getreidekörner |
|
September Oktober |
Löwenzahn, Ferkelkraut, Ackersenf, Distel, Knöterich, Gänsefuß, Beifuß, Mädesüß, Raps, Getreidekörner |
Wir sehen also, dass die
Vorzugsnahrung des Hänflings sowohl aus länglichen Getreidekörnern, runden
Rapskapseln oder sehr kleinen Beifußsamen bestehen kann, ohne gemeinsame
Merkmale aufzuweisen. Ebenso nimmt er Samen in allen Reifestadien zu sich. Im
Sommer bevorzugt er saftreiche Nahrung, so werden gerade im Frühsommer die
saftreichen Blütenblätter des Löwenzahns aufgenommen.
Das ganze Jahr über, reiche ich den Hänflingen eine Spezialfuttermischung eines
bekannten Versandhandels zur freien Aufnahme. Zusätzliche Gaben von Salat-,
Distel- und Erlensamen nehmen sie gerne an.
Im Frühjahr und Herbst reiche ich besonders viel Quell- oder Keimfutter.
Selbstverständlich sollte das ganze Jahr über Grit, Sand und Futterkalk zur
Verfügung stehen. Ebenso werden in den aktiven Phasen, wie Brutzeit oder Mauser,
aminosäurereiche Beigaben, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente nicht fehlen.
Als Aufzuchtfutter für die Jungen werden zum größten Teil halbreife Sämereien
von Gras, Huflattich, Löwenzahn und Raps verfüttert. Insekten als Aufzuchtfutter
werden nur selten benötigt, man sollte aber wenigstens den Versuch machen und
Blattläuse und Ameisenpuppen anbieten.
Selbstverständlich ist es wohl täglich frisches Trink- und Badewasser zu
reichen.
Die blutrote Farbe, welche das
Männchen in der freien Natur bekommt, entsteht durch Abrieb der Federspitzen.
Vermausern sie dagegen in Menschenobhut, so erhalten sie kaum eine Rotfärbung.
Die Gründe können mangelnde Bewegung sein, sowie keine ausgewogene Ernährung,
da dann die erforderlichen Farbpigmente fehlen.
Hier kann die Haltung in einer biotopgerechten Voliere, welche die entsprechende
Bewegung bietet, Abhilfe schaffen. Auch Pflanzen mit entsprechender Rotfärbung,
wie Sauerampfer und Wegerich helfen hier. Eine richtige Fütterung wie weiter
oben aufgeführt ist immer richtig. Unterstützen kann auch die Gabe von
Rotfärbepräparaten. Wichtig ist immer, schon vor der Mauser mit der Gabe von
Präparaten und entsprechende Sämereien zu beginnen.
Da der Hänfling fast ausschließlich seine Jungen mit Sämereien groß zieht, erscheint seine Zucht besonders leicht zu sein, was sich aber als Trugschluss erweist. Es ist meistens seine angeborene Scheu ,welche ein Hemmnis darstellt. Also geben wir genügend Deckungsmöglichkeiten. Weiterhin sollte man nach Möglichkeit ein Paar sich selber finden lassen, denn harmonisierende Paare sind während der Aufzucht der Jungen besonders wichtig. Denken wir doch nur an die regelmäßige Fütterung des Weibchens, welches dann das Futter an die Jungen weitergibt. Wenn man dieses alles beherzigt, so erscheint die Zucht doch verhältnismäßig leicht zu gelingen. Anfängern kann ich unter diesen Voraussetzungen die Hänflingszucht nur empfehlen. Es wäre schade, wenn nicht nur ein guter heimischer Sänger, sondern auch ein farblich durchaus sehenswerter Vogel, in unseren Volieren mehr und mehr seinen Platz verliert.
BECHSTEIN, J.M. (1797) Naturgeschichte der Stubenvögel
BERZ, J. (1978) Aufzuchtserlebnis mit Hänflingen. Gefiederte Welt 102:207-209.
BEZZEL, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Singvögel, Aula, Wiesbaden.
BOSSELMANN, J. u. A. (1998): Die Vogelwelt in RLP, Singvögel, NABU, Mainz.
DOST, H. (1954) Handbuch. Leipzig
GASSMANN, H. (1989, 1990) Biologie und Ökologie des Hänflings. Die Voliere 12:324 + 13:17.
GIEBING, M. (1995) Der Hänfling. Sonderheft VDW-NW,
Oberhausen.
NICOLAI; J: (1982): Fotoatlas der Vögel, Gräfe und Unzer, München
RHEINWALD, G. (1965): Unsere schöne Vogelwelt, Lingen Köln.
SCHAAF, F. (1973) Zur Brutbiologie des Hänflings. Gefiederte Welt 97:34-35.
WOLTERS, H.E. (1975-1987): Die Vogelarten der Erde. Berlin
Manfred Giebing, Köln-Leipziger-Straße Nr. 25, D-57629 Norken.