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Der Bluthänfling - Linaria cannabina  (L., 1758)

© Manfred Giebing www.dievoegeleuropas.de

Allgemeines

In seiner »Naturgeschichte der Stubenvögel« berichtete schon BECHSTEIN (1797): „Besonders angenehm ist es, wenn man einen jungen Hänfling von einer Nachtigall unterrichten lässt. Ich habe einen der den vollkommenen Schlag der Nachtigall inne hat, und mich das ganze Jahr hindurch, wenn meine Nachtigallen schweigen, mit diesem Gesange erfreut.“
Der Hänfling zählt also seit Jahrhunderten zu den Pfleglingen der Waldvogelliebhaberei. Wie bekannt und volkstümlich er war und auch noch ist, zeigt eine Fülle von Trivialnamen. Wir sollten aber bei den Namen Bluthänfling, er bezieht sich auf die rote Brust und seine Nahrung, oder nur  bei Hänfling, wonach er schon im Mittelalter benannt wurde, bleiben, damit sich diese Namen festigen.
War er einst so häufig in einigen Gegenden, wie der Spatz, so gehört er leider heute zu den Vogelarten, die immer weniger werden.

Systematik

Nach WOLTERS ergibt sich nachstehende Eingliederung:

FAMILIE:

CARDUELIDAE

GIMPEL BZW. HÄNFLINGE

GATTUNG:

Linaria BECHST., 1802

HÄNFLINGE

ART:

Linaria cannabina (L., 1758)

BLUTHÄNFLING oder
HÄNFLING,  FLACHSFINK

UNTERARTEN:

harterti, meadewaldoi, nana, autochthona, bella.

 

     

In Mitteleuropa ist die Nominatform Linaria cannabina cannabina zu finden. Näheres über seine Verbreitung und seiner Unterarten ist der Karte zu entnehmen.

Unterarten

Linaria cannabina cannabina: Nominatform, hauptsächlich Europa, Beschreibung siehe Kennzeichen.
Linaria cannabina harterti:
Östliche Kanaren, ist wie bella heller.
Linaria cannabina meadewaldoi:
Westliche Kanaren, kleiner und leuchtender gezeichnet.
Linaria cannabina nana:
Madeira, ist ebenfalls kleiner und leuchtender gezeichnet.
Linaria cannabina autochthona:
Ist in Schottland zu Hause und am dunkelsten.
Linaria cannabina bella:
Kleinasien, ist heller, vor allem am Kopf, mit fast weißem Bürzel.

Kennzeichen

Mit seinen reichlich 13 cm ist der Hänfling etwas größer und rundlicher als ein Birkenzeisig. Er ist oberseits kastanienbraun mit graubraunem Kopf. Die Schwingen und der tief gegabelte Schwanz sind  dunkelbraun und weiß gebändert. Zur Brutzeit zeigt das Männchen, wie sein Name schon sagt, eine rote Brust und Stirn. Das Weibchen ist ohne jedes Rot und dunkelbraun längsgestreift. Im Schlichtkleid ähneln sich die Geschlechter, obwohl das Männchen einen leichten rosa Hauch auf der Brust haben kann. Die Jungen sind Nesthocker und mit langen grauen Dunen besetzt. Ihr Rachen ist rosarot und die Schnabelwülste sind hellgelb.

Verbreitung, Lebensraum

Der Hänfling ist auf den Kanarischen Inseln, Madeira, Europa, durch West-Sibirien bis zum oberen Ob und durch Kleinasien (südwärts durch Syrien bis Israel), Iran, Nord-Afghanistan, Turkestan und West-Sinkiang bis zum Altai beheimatet.
Der Hänfling ist als eine vornehmlich europäische Art anzusehen, er fehlt im Norden von Fennoskandien und in den Steppen von der Halbinsel Krim bis zu den mittelasiatischen Gebirgen. Weiterhin ist er nicht heimisch in Nordschottland, in den bewaldeten höheren Mittelgebirgen und den Ostalpen.
Bei uns bewohnt er offenes Gelände mit Gebüsch, besonders Wacholderheiden, Bahndämme mit Gestrüpp, Weinberge und Ruderalflächen, wo er teilweise sogar überwintert.

Verhalten, Stimme

Hänflinge sind gesellige Vögel, welche nicht nur außerhalb, sondern auch während  der Brutzeit gerne in sozialen Verbänden zusammen leben. Ebenfalls wird das lockere Koloniebrüten, wie auch das gemeinsame Suchen nach Nahrung und die Benutzung eines Sammelschlafplatzes, aber auch das gemeinsame Wandern  in Gesellschaft durchgeführt. Mehrere  Paare suchen gemeinsam nach Nistmaterial und kommen auch geschlossen zurück.
Im Herbst und Winter, also außerhalb der Brutzeit, vergesellschaften sie sich mit anderen Finken, Cardueliden und Ammern.
Wer wohl den schönsten Gesang unter den heimischen Körnerfressern hat, der Hänfling oder der Stieglitz, ist Ansichtssache. Jedenfalls gehört der Hänflingsgesang mit zu den Besten. Er ist ansprechend und temperamentvoll. Er besteht aus Kräh- und reinen Pfeiftönen, welche mit den Lockrufen »Gjä-gjä« eingeleitet werden. Der Gesang wird von einer Warte oder im Flug vorgetragen. Zu hören ist er mit Ausnahme der Mauserzeit, das ganze Jahr über. Die Jungen lernen den Gesang vom Vater und wenn dieses aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, so werden sie Stümper und können  dann direkt zur Nervensäge werden. Sie können aber auch von Vogelarten in ihrer Umgebung, Teile aus deren Gesang übernehmen.
Übrigens lassen auch Weibchen vor der Paarung oder auch der Eiablage einen leisen Gesang hören. Selbst nach der Mauser kann der Weibchengesang gehört werden.
Bei Störungen lassen sie ein durchdringendes »Düje« und als Warnruf ein leises und gedehntes »Tjuiid« hören.

Unterbringung

War noch bei DOST (1954) zu lesen: „Für die Haltung im Käfig ein empfehlenswerter Singvogel, der sich durch seinen guten Gesang auszeichnet und der einfach zu füttern ist“, so bin ich der Meinung, dass diese Zeiten vorbei sein sollten. Der Hänfling ist ein Vogel des offenen Geländes und gehört dementsprechend in eine Voliere. Dieses wurde durch Haltungsexperimente untermauert. Mit zunehmender Gruppengröße im Käfig nahmen die Vögel an Gewicht ab. Auch kann der Hänfling in der Voliere seinen angeborenen Drang zum Fliegen ausleben und seine natürlichen Verhaltensweisen entfalten.
Die Voliere sollte deshalb die Bepflanzung im Hintergrund haben und einen freien Vordergrund, welcher Raum zum Fliegen bietet. Hierbei bieten sich Rankgewächse wie Knöterich, Efeu oder Jelängerjelieber an, weil sie nicht allzu viel Platz beanspruchen. Sie haben nur den Nachteil zu wuchsfreudig zu sein. Weiterhin bieten sich Holunder, Weißdorn, Thuja oder Fichten an. Man sollte sie heckenmäßig zuschneiden, damit sie dicht werden um als Neststandort zu dienen. Wer keine Möglichkeit zur Naturbepflanzung hat, sollte nicht verzweifeln, denn er kann ja seine Volierenwände mit Kiefernästen oder andere Nadelholzzweige verkleiden.
Meine Volieren habe ich ja des öfteren beschrieben, deshalb nur ganz kurz. Sie sind überdacht, die Wetterseite ist verkleidet. Angegliedert ist ein Schutzraum. Meine Hänflinge konnten immer kalt überwintern, denn die Temperaturen bei uns im Westerwald gehen kaum unter minus 20°.  Zudem reiche ich im Schutzraum Wasser und Futter, welches sie dann frostfrei aufnehmen können.
Der Boden ist mit Fichtennadeln belegt. Als Nisthilfen werden Kaisernester und SABEL`SCHE Nistklötze in den Zweigen und Pflanzen angeboten.
Übrigens ist der Hänfling friedfertig und kann somit mit anderen Vogelarten vergesellschaftet werden.  Vorsicht ist nur geboten wenn Heckenbraunellen mit ihm vergesellschaftet werden sollen, denn sie stellen eine große Gefahr dar und töten meistens den Hänfling. Vor Jahren habe ich in einer Voliere doppelter Größe mehrere Paare Hänflinge untergebracht. Sie waren untereinander friedfertig und aufgrund ihrer sozialen Nistweise wirkten sie untereinander brutstimulierend.
Heutzutage belegt ein Paar Hänflinge bei mir eine Voliere während der Brutzeit und danach verbringt es , wenn ich die Durchflüge öffne, mit meinen anderen Vögeln gemeinsam den Winter.

Fortpflanzung

Hänflinge werden jeweils bis zur nächsten, dem Schlüpfen folgenden Brutperiode geschlechtsreif. Sie führen eine monogame Saisonehe. Sie führen im Jahr 1 bis 2 Bruten, in günstigen Lagen sogar 3 Bruten durch.                 

Paarbildung, Balz

Während der Balz spreizt das Männchen den Schwanz. So sind die weißen Außenfahnen deutlich zu sehen. Dabei sträubt es das Kopfgefieder und  lässt die vibrierenden Flügel hängen. Unter trippelnden Fuß- und Drehbewegungen verdreht es den Kopf  derartig, dass sein Körper eine senkrechte Haltung einnimmt. Der Gesang wird solange vorgetragen, bis das Weibchen kommt. Sofort verstummt der Gesang und die Begattung findet statt. Währenddessen lässt das Weibchen leise wispernde Laute hören. Die Begattungen erfolgen mehrmals täglich bis zur Beendigung der Eiablage.

Nest

An der Wahl des Nistplatzes sind beide Partner beteiligt. Während das Männchen auf geeignete Brutbüsche oder Brutzweige aufmerksam macht, bestimmt das Weibchen den genauen Stand. Beide Partner durchstreifen dann das Gelände und das Weibchen durchschlüpft die Zweige. An evtl. Plätzen findet ein Probesitzen statt. Das Männchen sitzt dann in der Nähe und singt. Meistens liegen die Nistplätze in ziemlich dichten Nadelzweigen, also gegen Licht geschützt aber dem Weibchen einen guten  Überblick gebend. Für das Grundfundament und den Mittelbau werden in unterschiedlichster Stärke trockene Grashalme, Krautstängel und Moos verwendet. Die Auspolsterung setzt sich aus  Tierhaaren, Wolle oder feinen Wurzelgeflecht zusammen. Es können  auch Zigarettenfilter, Bindfäden, Watte und weiche Federn verarbeitet werden. Die Bauzeit beträgt meistens drei bis vier Tage, kann sich aber bei einen Witterungsumschwung durchaus auf eine Woche verlängern.

Ei, Gelege

Die Eiablage findet meistens in den frühen Morgenstunden statt. Die Eier haben eine ovale Form. Ihre Grundfarbe ist bläulichgrün oder auch bräunlichweiß. Sie sind meistens mit ziegelroten bzw. rotbraunen Klecksen wie auch purpurbraunen Flecken, besonders am stumpfen Pol, versehen. Ein Gelege besteht erstaunlich konstant fast immer aus fünf Eiern. Seltener treten geringere Eizahlen zu Beginn oder am Ende der Brutzeit auf. Dieses ist aber gesetzmäßig und tritt auch bei anderen Vogelarten auf.
Nach Ablage des vorletzten bzw. letzten Eies beginnt das Weibchen mit dem Brüten. Während dieser Zeit wird es vom Männchen mit Nahrung versorgt. Es braucht also das Nest nur kurz zu verlassen um seine Notdurft zu entrichten oder sein Gefieder zu pflegen. Bei Störungen verlässt es das Nest heimlich. Es wird aber vorher durch das Männchen gewarnt.

Schlupf, Aufzucht

Nach 12 bis 13 Tagen schlüpfen die Jungen. Auch jetzt wird das Weibchen durch das Männchen gefüttert und gibt das Futter an die Jungen weiter. Nach dem Schlüpfen werden die Eischalen aus dem Nest entfernt. Die Jungen öffnen so am 4. bzw. 5. Tag die Augen. Ab jetzt hudert das Weibchen nur noch in der Nacht und beteiligt sich an der Nahrungsbeschaffung. Auch wird jetzt der Kot der Jungen nicht mehr vom Weibchen verschluckt, sondern von beiden Eltern weggetragen. Die Fütterungsintervalle liegen so bei 1 ½ bis 2 Stunden. Zwischen dem 5. und 7. Tag sollte die Beringung erfolgen. Ab 7. Tag sind leise »Ssst-Rufe« von den Jungen zu hören, welche von Tag zu Tag lauter werden. Ab dem 9. Tag ducken sich die Jungen bei einer vermeintlichen Gefahr ins Nest. Bei Störungen können sie jetzt fluchtartig das Nest verlassen. In der Regel erfolgt das Ausfliegen der Jungen mit 12  bis 14 Tagen. Schon vor dem Ausfliegen der Jungen sieht sich das Weibchen nach erneutem Nistmaterial um, damit der reibungslose Ablauf der nächsten Brut sichergestellt ist. Die Jungen sind mit 28 Tagen selbständig.

Ernährung

Die Nahrung des Hänflings besteht aus Sämereien der verschiedensten Pflanzen, welche er vorwiegend vom Boden oder in der Krautschicht aufnimmt. Animalische Kost dagegen wird nur gelegentlich aufgenommen. So gibt es zur Brutzeit einzelne Tiere, welche Blattläuse verzehren und an ihre Jungen weitergeben. Die Art der Nahrungsaufnahme ist beim Hänfling eine angeborene Verhaltensweise. Samen oder Blütenteile der Gräser werden vom Hänfling aus dem Blütenstand gelöst, indem der Halm Stück für Stück durch den Schnabel geschoben wird. Mit Hilfe der Zunge werden die Samen dann herausgelöst .Besonders die Art, wie sie Rapsschoten öffnen, ist sehr bemerkenswert. Normalerweise springen die Schoten, wenn sie reif sind, sehr leicht auf und die Samen fallen heraus. Die Hänflinge beißen von den geschlossenen Schoten zuerst das Schotenende ab, also den Teil, der sonst am längsten zusammenhält. Danach wird ein Fruchtblatt nach dem anderen von der Spitze zum Fruchtstiel hin entfernt. Die Scheidewand mit den auf den Fruchtblatträndern sitzenden Samen und das zweite Fruchtblatt bleiben stehen. Durch das Herabziehen des Fruchtblattes werden die Samen frei und gleich aufgepickt. Dann wird die Scheidewand mit der Schnabelspitze durchstoßen und hier die Samen aufgenommen. Hänflinge verhindern hierdurch das Aufspringen der Schote und können somit alle Samen aufnehmen. So werden auch die Schoten anderer Kreuzblütler, wie Wegrauke, Ackersenf und Hirtentäschel, immer  von dem entgegengesetzten Ende des Fruchtstieles her geöffnet.
Hänflinge können in der freien Natur, wenn die Wiesen noch in Blüte stehen, aus beträchtlicher Höhe, zielgerichtet dort einfallen wo rote Ampferpflanzen stehen. Ebenso wählen sie auf Ruderalplätzen tagelang fast ausschließlich Beifußsamen aus, während andere sich auf die mit Vogelknöterich bewachsenen Stellen spezialisieren. Die spontane Auswahl des Ampfers in Wiesen geht auf einen Farbreiz hin aus, dagegen haben sie Kenntnis von der Pflanzengestalt des Beifuss und Knöterichs.
Eine ausgewogene Ernährung hält die Hänflinge gesund. Sie erreichen in Freiheit wenn sie Glück haben ein Alter von 9 Jahren. In Menschenobhut aber können sie ein hohes Alter von 12 bis 15  Jahren spielend erreichen, wenn wir sie abwechslungsreich wie in der freien Natur mit halbreifen und reifen Sämereien versorgen. Wir wissen auch, welche Sämereien  er zu welcher Zeit zu sich nimmt und so sollten wir uns, wenn wir die Möglichkeit haben, diese besorgen. Eine kleine Mühe welche sich bezahlt macht. Durch die unterschiedliche Reifezeit ergibt sich zwangsläufig eine Abwechslung.

Kurzfassung der Vorzugsnahrung

Januar

Februar

März

Kohlgewächse, Ackersenf, Knöterich, Gänsefuß, Beifuß, Löwenzahn, Ampfer

April

Vogelmiere, Wiesenrispengras, Löwenzahn, Ulme, Ackersenf, Knöterich, Beifuß,

Mai
Juni

Vogelmiere, Wiesenrispengras, Löwenzahn, Ulme, Knoblauchrauke, Raps, Getreidekörner, Sauerampfer, Hahnenfuß, Ferkelkraut

Juli

Vogelmiere, Löwenzahn, Knoblauchrauke, Sauerampfer, Hahnenfuß, Ferkelkraut, Ackersenf, Distelarten, Knöterich, Beifuß, Raps, Getreidekörner

August

Löwenzahn, Sauerampfer, Hahnenfuß, Ferkelkraut, Ackersenf, Distel, Knöterich, Gänsefuß, Beifuß, Mädesüß, Raps, Rauke, Getreidekörner

September

Oktober

Löwenzahn, Ferkelkraut, Ackersenf, Distel, Knöterich, Gänsefuß, Beifuß, Mädesüß, Raps, Getreidekörner

Wir sehen also, dass die Vorzugsnahrung des Hänflings sowohl aus länglichen Getreidekörnern, runden Rapskapseln oder sehr kleinen Beifußsamen bestehen kann, ohne gemeinsame Merkmale aufzuweisen. Ebenso nimmt er Samen in allen Reifestadien zu sich. Im Sommer bevorzugt er saftreiche Nahrung, so werden gerade im Frühsommer die saftreichen Blütenblätter des Löwenzahns aufgenommen.
Das ganze Jahr über, reiche ich den Hänflingen eine Spezialfuttermischung eines bekannten Versandhandels zur freien Aufnahme.  Zusätzliche Gaben von Salat-, Distel- und Erlensamen nehmen sie gerne an.
Im Frühjahr und Herbst reiche ich besonders viel Quell- oder Keimfutter. Selbstverständlich sollte das ganze Jahr über Grit, Sand und Futterkalk zur Verfügung stehen. Ebenso werden in den aktiven Phasen, wie Brutzeit oder Mauser, aminosäurereiche Beigaben, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente nicht fehlen.
Als Aufzuchtfutter für die Jungen werden zum größten Teil halbreife Sämereien von Gras, Huflattich, Löwenzahn und Raps verfüttert. Insekten als Aufzuchtfutter werden nur selten benötigt, man sollte aber wenigstens den Versuch machen und Blattläuse und Ameisenpuppen anbieten.
Selbstverständlich ist es wohl täglich frisches Trink- und Badewasser zu reichen.

Rotfärbung

Die blutrote Farbe, welche das Männchen in der freien Natur bekommt, entsteht durch Abrieb der Federspitzen.  Vermausern sie dagegen in Menschenobhut, so erhalten sie kaum eine Rotfärbung. Die Gründe können mangelnde Bewegung sein, sowie keine ausgewogene Ernährung, da  dann die erforderlichen Farbpigmente fehlen.
Hier kann die Haltung in einer biotopgerechten Voliere, welche die entsprechende Bewegung bietet, Abhilfe schaffen. Auch Pflanzen mit entsprechender Rotfärbung, wie Sauerampfer und Wegerich helfen hier. Eine richtige Fütterung wie weiter oben aufgeführt ist immer richtig. Unterstützen kann  auch die Gabe von Rotfärbepräparaten. Wichtig ist immer, schon vor der Mauser mit der Gabe von Präparaten und entsprechende Sämereien zu beginnen.

Ausklang

Da der Hänfling fast ausschließlich seine Jungen mit Sämereien groß zieht, erscheint seine Zucht besonders leicht zu sein, was sich aber als Trugschluss erweist.  Es ist meistens seine angeborene Scheu ,welche ein Hemmnis darstellt. Also geben wir genügend Deckungsmöglichkeiten. Weiterhin sollte man nach Möglichkeit ein Paar sich selber finden lassen, denn harmonisierende Paare sind während der Aufzucht der Jungen besonders wichtig. Denken wir doch nur an die regelmäßige Fütterung des Weibchens, welches dann das Futter an die Jungen weitergibt. Wenn man dieses alles beherzigt, so erscheint die Zucht doch verhältnismäßig leicht zu gelingen. Anfängern kann ich unter diesen Voraussetzungen die Hänflingszucht nur empfehlen. Es wäre schade, wenn nicht nur ein guter heimischer Sänger, sondern auch ein farblich durchaus sehenswerter Vogel, in unseren Volieren  mehr und mehr seinen Platz verliert.

Literatur

BECHSTEIN, J.M. (1797) Naturgeschichte der Stubenvögel

BERZ, J. (1978) Aufzuchtserlebnis mit Hänflingen. Gefiederte Welt 102:207-209.

BEZZEL, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas, Singvögel, Aula, Wiesbaden.

BOSSELMANN, J. u. A. (1998): Die Vogelwelt in RLP, Singvögel, NABU, Mainz.

DOST, H. (1954) Handbuch. Leipzig

GASSMANN, H. (1989, 1990) Biologie und Ökologie des Hänflings. Die Voliere 12:324 + 13:17.

GIEBING, M. (1995) Der Hänfling. Sonderheft VDW-NW, Oberhausen.
NICOLAI; J: (1982): Fotoatlas der Vögel, Gräfe und Unzer, München
RHEINWALD, G. (1965): Unsere schöne Vogelwelt, Lingen Köln.
SCHAAF, F. (1973) Zur Brutbiologie des Hänflings. Gefiederte Welt 97:34-35.
WOLTERS,  H.E. (1975-1987): Die Vogelarten der Erde. Berlin

Anschrift des Verfassers:

Manfred Giebing, Köln-Leipziger-Straße Nr. 25, D-57629 Norken.