Der Austernfischer dürfte
den meisten Binnenlandbewohnern nicht so vertraut sein, doch ist dieser
kontrastreiche Wattvogel ein häufiger Brutvogel an der Nordseeküste und im
küstennahen Binnenland, welcher aber je weiter man ins Innere vorrückt immer
seltener wird. nach oben

Foto: © Jürgen Giebing
Nach WOLTERS wird der
Austernfischer wie folgt in das zoologische System eingereiht: siehe rechte
Spalte. nach oben

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Er ist verbreitet an den
Küsten, stellenweise auch im Binnenland, Europas (einschließlich Island) und
West-Kleinasiens, von Südostrussland bis Westsibirien, von Kamtschatka und
der Küste des Ochotskischen Meeres, von Korea und Neuseeland (Südinsel).
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Sein Lebensraum sind flache Meeresküsten und
Inseln, Mündungsgebiete von Strömen und Flüssen. Gelegentlich ist er auch
auf Feldern und Wiesen in Küstennähe und an fließenden und stehenden
Gewässern im Binnenland anzutreffen. Er überwintert vielfach im Brutgebiet
oder unternimmt nur Wanderungen kleineren Ausmaßes innerhalb des
Brutgebietes. Teilweise ziehen die Austernfischer weiter bis Nordwestafrika.
Der Zug beginnt Mitte August bis Oktober und verläuft entlang an den Küsten,
selten aber durchs Binnenland. Im April kehren sie in ihre Brutgebiete
zurück. nach oben
Mit seinen 43 Zentimetern Länge ist er ein
großer, schwarzweißer Watvogel mit ausdrucksvoll, geschecktem Gefieder,
langem, orangerotem Schnabel und rosafarbenen Beinen. Das Auge ist rot.
Kopf, Brust, Rücken und Flügel sind glänzend schwarz, mit breitem, weißen
Flügelband. Die Unterseite und der Bürzel sind weiß. Auch der Schwanz ist
weiß, aber mit breiter, schwarzer Endbinde. Im Wintergefieder trägt er eine
weiße Kinnbinde. Männchen und Weibchen gleichen sich. Bei Vögeln im
Jugendkleid ist die Schnabelspitze dunkelbräunlich, vielfach sind junge
Vögel von den Alten durch das Vorhandensein einer weißen Kinnbinde zu
unterscheiden. Weiterhin haben sie fleischfarbene Beine und dunkelbraune
Augen. Im Dunenkleid sind Kopf und Oberseite sandgelblichgrau, mit teils
unterbrochenen braunschwarzen Streifen, vom Zügel durchs Auge bis über die
Ohrgegend hinaus und Fleckenreihen an den Scheitelseiten, unter dem Auge und
an den Halsseiten. Über dem Rücken laufen zwei Längsstreifen. Das untere
Augenlid ist hellgrau. Kinn, Kehle und Halsunterseite sind graubräunlich,
die übrige Unterseite weiß. nach oben

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Der Austernfischer ist tideabhängig und tag-
und nachtaktiv. Das ist besonders im Winter wichtig, da dann die Zeit
tagsüber nicht für ausreichende Nahrung reicht. Der Zug findet des Nachts
statt. Er fliegt gewandt und kann sogar bis zum Bauch im Wasser stehend ,
fast senkrecht starten. Ansonsten erhebt er sich gern mit Anlauf gegen den
Wind. Seine Fluggeschwindigkeit kann zwischen 41 - 73 km/h betragen. Da er
sehr gesellig ist, trifft man ihn auch in der Brutperiode in Trupps an.
Trifft man abseits der Brutgebiete auf Trupps von Austernfischer so handelt
es sich meistens um Vögel die noch nicht brüten. Bei auflaufendem Wasser
sieht man die Gesellschaft mehrere 100 Meter zu Fuß dem Wasser ausweichen.
Sie sind auch bei Störungen sehr ruhig und zeigen weniger Erregung als
andere Limikolen. Bei Gefahr entziehen sich verletzte oder noch nicht flügge
Austernfischer schwimmend oder tauchend. Sie können tauchend bis 15 Meter
zurücklegen. Oft wird nur die Schnabelspitze aus dem Wasser gesteckt und
weiter getaucht. Er ruht sich auf einem Bein stehend aus, Schnabel und Brust
gegen den Wind gerichtet und schwankt dann hin und her. Austernfischer sind
sehr sozial und nur bis zum Beginn der Bebrütung territorial. Dieses ist
notwendig um einen ausreichenden Vorrat von geeignetem Aufzuchtfutter
sicherzustellen. Bei der Revierbesetzung im Frühjahr kann man hauptsächlich
die Trillerzusammenkünfte der Austernfischer beobachten. Die Vögel nehmen
eine starre Haltung ein, wobei Kopf und Schnabel zur Erde zeigen. So
gruppieren sich mehrere Austernfischer zu einem Kreis, drehen sich dann auf
der Stelle oder laufen erregt hin und her unter Steigerung im Tempo rufen
sie »Kewik-kewik-kewik-kwick-kwick-kerirr« oder ähnlich. Diese Trillerspiele
dienen der Revierverteidigung und dem Paarzusammenhalt. Gellend und oft zu
hören »Kliep-kliep« oder »Kwiep«, bei Gefahr rufen sie weich »Puk-puk-pikkuk«,
ein hartes »Pick-pick-pick« oder schrill »Glieää-glieää«. Bei Revierkämpfen
ist ein »Dlüa-dlüa-dlüa« zu hören. Durch das laute Verhalten der
Austernfischer fühlen sich sehr viel Urlauber belästigt. Kennt man sich aber
ein wenig in seiner Biologie aus, so weiß man es befindet sich
wahrscheinlich in der Nähe sein Nest oder er hat Junge und versucht zu
verleiten. Dieses bedeutet durch Scheinattacken wie auch den Verletzten
spielen versucht er den vermeintlichen Feind abzulenken und irrezuführen.
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Die Haltung von Austernfischern erfolgt gerne
von Tier- und Vogelparks, weil ihre Eingewöhnung meist relativ leicht und
problemlos in geräumigen Volieren vor sich geht. Es sollte schon ein Wasser
mit Zu- und Ablauf genau so vorhanden sein, wie ein sumpfiger Teil mit Torf
und Pflanzen, welcher ein Stochern ermöglicht. Sonst wird der Schnabel nicht
genügend abgenutzt und er muss regelmäßig gekürzt werden. Der Rest der
Voliere sollte mit Rasen, Sand und Kies ausgestattet sein. Für den Winter
ist ein Schutzraum erforderlich. Die Fütterung sollte an mehreren Stellen
erfolgen, damit kein Streit aus „Futterneid“ entsteht.
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Foto: © Jürgen Giebing
Die Geschlechtsreife der Austernfischer tritt
im 3. - 5. meist aber im 4. Lebensjahr ein. Es wird in der Regel eine
lebenslange Einehe geführt, obwohl Bigynie auch nicht selten ist. Die
Weibchen legen dann meistens in einem Nest die Eier. Ansonsten ist
Partnerwechsel nur bei Verlust eines Partners zu beobachten. In der Zeit von
April bis Juli wird eine Jahresbrut durchgeführt. Vermutet wird eine zweite
Brut, aber bewiesen ist dieses noch nicht. Infolge der vielen Verluste sind
aber Nachgelege häufig. nach oben

Foto: © Jürgen Giebing
Die Paarbildung erfolgt in einer Gesellschaft,
wozu gemeinschaftliche Balzflüge erforderlich sind. Begattungen erfolgen
nicht selten ohne besondere Aufforderung. Das Männchen rennt oft aus einer
Entfernung von 8 bis 10 Metern auf das Weibchen zu und befliegt es. Männchen
und Weibchen können aber zur Paarung auffordern. Das Männchen läuft schrill
»Kip-kip-kip« rufend steif und in geduckter Haltung auf das Weibchen zu. Der
oft schräg gehaltene Kopf wird zwischen die Schultern eingezogen, die Beine
werden im Fersengelenk eingeknickt und der leicht gefächerte Schwanz etwas
gesenkt. Das Weibchen zeigt seine Bereitschaft, indem es mit eingezogenem
Hals, waagerecht gehaltenem Schnabel, voll gestreckten Beinen und
angehobenem Schwanz steif vorwärts neigt. Es kann die Aufforderung des
Männchens nachmachen und sich dann wie zum Brüten hinsetzen. Bevor das
Männchen aufspringt kann es hinter dem Weibchen stehen und kräftig mit den
Flügeln schlagen. Dann stößt es einen schrillen, kreischenden Ruf aus, auf
den das Weibchen antworten kann und springt auf. Mit den Flügeln hält es
Gleichgewicht, pickt das Weibchen ins Nackengefieder und kopuliert. Danach
ordnen beide Partner das Gefieder und gehen zum normalen Ablauf über.
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Auf einer vegetationsarmen und möglichst
weichen Stelle, am Sandstrand, auf flachen Dünen oder auch auf Wiesen,
Weiden und Äckern scharren beide Partner eine flache Mulde und legen sie mit
wenigen Halmen, aber größeren Mengen von Muschelschalen aus.
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Die spindelförmigen bis ovalen Eier sind
gelblich mit weißgrauen oder rostbräunlichen Tönungen, seltener grünlich und
meist mit bräunlichschwarzen Tupfen, Kritzeln oder Klecksen versehen. Sie
haben die Maße 56,3 x 39,9 Millimeter und ein Frischgewicht von 46 Gramm.
Ein Gelege besteht in der Regel aus 3 Eiern, eine Anpassung an die besondere
Art der Jungenaufzucht, doch kommen auch Gelege mit 2 und 4 Eiern vor. Sie
werden im Legeintervall von gewöhnlich 36 - 48 Stunden gelegt. Nach Ablage
des letzten bzw. vorletzten Eies beginnt die Brut von 26 - 28 Tagen.
Männchen und Weibchen brüten zu gleichen Teilen. Wenn der brutfreie Partner
nicht gerade Nahrung sucht, bleibt er in der Nähe des Nestes und hält Wache.
Bei jeder Ablösung wird Nistmaterial mitgebracht.
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Die spindelförmigen bis ovalen Eier sind
gelblich mit weißgrauen oder rostbräunlichen Tönungen, seltener grünlich und
meist mit bräunlichschwarzen Tupfen, Kritzeln oder Klecksen versehen. Sie
haben die Maße 56,3 x 39,9 Millimeter und ein Frischgewicht von 46 Gramm.
Ein Gelege besteht in der Regel aus 3 Eiern, eine Anpassung an die besondere
Art der Jungenaufzucht, doch kommen auch Gelege mit 2 und 4 Eiern vor. Sie
werden im Legeintervall von gewöhnlich 36 - 48 Stunden gelegt. Nach Ablage
des letzten bzw. vorletzten Eies beginnt die Brut von 26 - 28 Tagen.
Männchen und Weibchen brüten zu gleichen Teilen. Wenn der brutfreie Partner
nicht gerade Nahrung sucht, bleibt er in der Nähe des Nestes und hält Wache.
Bei jeder Ablösung wird Nistmaterial mitgebracht.
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Der Eizahn fällt nach einer Woche ab. Die
Jugendmauser, eine Teilmauser, beginnt im August/September und endet im
Dezember. Die 1. Ruhemauser, auch eine Teilmauser, geht von Januar bis Mai
im 2. Kalenderjahr. Die 1. Vollmauser dauert von Mai bis Mitte Dezember. Die
Brutmauser, eine Vollmauser: Für übersommernde Nichtbrüter ebenfalls ab Mai
bis September/Dezember: Für Brutvögel ab Anfang Juli bis Ende
November/Dezember. Die Ruhemauser, eine Teilmauser, von Dezember bis April,
bei ihr verschwindet die weiße Kinnbinde.
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Austernfischer ernähren sich hauptsächlich von
Muscheln, kleinen Krebsen, Schnecken und Wattwürmern.


Mit ihrem seitlich zusammengedrückten Schnabel
stechen sie wie mit einem Meißel in halbgeöffnete Muscheln, brechen sie
durch seitliche Kopfbewegungen auf und durchtrennen die
Schalenschließmuskel. Geschlossene Muscheln transportieren sie zu härterem
Untergrund und brechen dann durch gezielte Schläge ein Stück heraus. Ihr
Tagesrhythmus wird durch die Zeiten bestimmt, während sie die Flutperiode am
Strand ruhend überdauern, finden sie sich bei Ebbe auf dem trocken werdenden
Watt ein, wo sie scharenweise hinter dem zurückweichenden Wasser auf
Nahrungssuche gehen. nach oben
Der Austernfischer erleidet viele, jahrweise
sehr unterschiedlich hohe Verluste durch Silbermöwen, Hochwasser und
Weidevieh und bringt es trotzdem fertig, dass seine Bestände zunehmen. Eine
gute Anpassung an seine Umweltbedingungen machen dieses möglich.
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BAUER, H.-G. /BERTHOLD, P. (1993): Die
Brutvögel Mitteleuropas: Bestand und
Gefährdung. Wiesbaden.
BEZZEL, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Singvögel. Wiesbaden.
GLUTZ VON BLOTZHEIM, U.N. (1975): Handbuch der Vögel Mitteleuropas.
Wiesbaden.
MAKATSCH, W. (1976): Die Eier der Vögel Europas, Melsungen.
THIEDE, W. (1997): Wasservögel und Strandvögel. München.
WOLTERS, H.E. (1975-1987): Die Vogelarten der Erde. Berlin
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